Käßmann: Weltkirchenrat steht am Scheideweg

Müssen die Kirchen der Reformation weltweit sich selbst organisieren? fragte die Bischöfin bei ihrem Vortrag in Villach.

Villach, 23. April 2003 (epd Ö) Kritisch zur derzeitigen Situation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat sich die Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Dr. Margot Käßmann, geäußert.

In einem Vortrag über „Die Zukunft der Ökumene für Europa“, den sie am 16. April in Villach auf Einladung der Evangelischen Akademie Kärnten und des Evangelischen Bildungswerkes Kärnten hielt, bedauerte die Referentin vor allem, dass es gemäß ÖRK keine ökumenischen Gottesdienste mit Orthodoxen mehr geben solle, sondern lediglich „interkonfessionelle gemeinsame Andachten“. Bei der Planung solcher Andachten solle zudem vermieden werden, „in der Frage der Frauenordination auf Konfrontationskurs zu gehen“.

Käßmann, die aus diesen Gründen im Vorjahr den ÖRK verlassen hat, resümierte in ihrem Referat, der ÖRK stehe an einem Scheideweg. Die Bischöfin fragte: „Ist der Ökumenische Rat bereit, den Konflikt zu wagen und auch kritische Themen auf die Tagesordnung zu setzen? Ist er bereit, mit seinen ökumenischen Gottesdiensten die Gemeinden vor Ort zu inspirieren, über den eigenen Horizont zu blicken? Oder wird er zu einem Gremium der totalen Ausgewogenheit zwischen den Traditionen der Orthodoxie und der Reformation, das nach innen völlig gelähmt ist und keinerlei Außenwirkung mehr erzeugt?“ Käßmann sagte: „Ich wünsche dem Ökumenischen Rat von ganzem Herzen, dass er einen Befreiungsschlag in die Zukunft wagt.“ Sollte dies in den nächsten Jahren nicht der Fall sein, „müssen die Kirchen der Reformation sich überlegen, wie sie sich auf Weltebene so organisieren, dass ihre Stimme in der Welt der Globalisierung hörbar wird“.

Hoffnung für die Ökumene in Europa

Dennoch, so Käßmann, sei die Frage zu stellen: „Könnte nicht das neue Jahrtausend ein Neubeginn sein, den die Ökumene mitgestaltet?“ Sie habe Hoffnung für die Ökumene in Europa, und sie hoffe auch auf positive Impulse von Europa im Zeitalter der Globalisierung, Europa sei ein ökumenisches Thema. Das bedeute „untereinander gesprächsfähig sein, Kontakte und Partnerschaften pflegen, einander zuhören und voneinander lernen“. Die Bischöfin: „Wir werden lernen, dass wir in die eine Kirche Jesu Christi hinein taufen, dass wir die Ämter gegenseitig anerkennen und uns gegenseitig zur Abendmahls- bzw. Eucharistiefeier einladen.“

ISSN 2222-2464