Integrationsminister startet Dialogprozess mit Religionen

"Die Menschenrechte gelten universal, sie sind ein Anliegen, das wir alle teilen und gemeinsam umsetzen wollen", sagte Bischof Michael Bünker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. (Im Hintergrund: Präsident Fuat Sanac, Integrationsminister Sebastian Kurz, Kardinal Christoph Schönborn, Metropolit Arsenios Kardamakis und Präsident Oskar Deutsch, v.l., Foto: epdÖ/S.Janits)
"Die Menschenrechte gelten universal, sie sind ein Anliegen, das wir alle teilen und gemeinsam umsetzen wollen", sagte Bischof Michael Bünker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. (Im Hintergrund: Präsident Fuat Sanac, Integrationsminister Sebastian Kurz, Kardinal Christoph Schönborn, Metropolit Arsenios Kardamakis und Präsident Oskar Deutsch, v.l., Foto: epdÖ/S.Janits)

Bünker: „Religionsfreiheit verbindet uns im Interesse aller Menschen“

Wien (epdÖ) – Zu einem Dialog der Religionen lädt Integrationsminister Sebastian Kurz die Vertreter der 16 in Österreich anerkannten Religionsgesellschaften ein. Am 27. Mai gab es ein erstes Zusammentreffen in Wien, ab Juni soll eine Expertengruppe die Arbeit aufnehmen. Den ersten Arbeitsschwerpunkt bildet dabei das Thema Religionsfreiheit.

„Der Dialog mit den Religionen hat in Österreich eine lange Tradition. Gerade im Bereich der Integration spielen die Themen Religion und Religionsfreiheit eine wichtige Rolle“, sagte Kurz bei der anschließenden Pressekonferenz. Der nun gestartete Dialogprozess solle die friedliche Zusammenarbeit der Religionsgesellschaften fördern und dazu beitragen, das Verständnis füreinander auszubauen. Kurz versprach, sich bei Auslandsreisen künftig intensiv für Religionsfreiheit einzusetzen, um diese weltweit zu stärken.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker erinnerte an die zunehmende Pluralisierung der Gesellschaft. Dieses europäische Phänomen mache auch vor den Religionen nicht Halt. In Österreich sei aber – historisch bedingt – ein pluralitätsfreundliches Klima im Bereich der Religionen zu bemerken. „Das Anliegen der Religionsfreiheit verbindet uns alle nicht nur im Interesse der Religionsgemeinschaften, sondern im Interesse der Menschen. Die Menschenrechte gelten universal, sie sind ein Anliegen, das wir alle teilen und gemeinsam umsetzen wollen“, betonte Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist.

Kardinal Christoph Schönborn sieht in dem Dialogprozess eine Umsetzung des Lissabonner Vertrags auf österreichischer Ebene, der den konstruktiven Dialog mit den Religionsgemeinschaften fordere. Zum Thema Religionsfreiheit meinte der Kardinal: „Religionsfreiheit heißt nicht, dass man Religion nur zuhause praktizieren darf, sondern dass sie auch einen wichtigen Platz im öffentlichen Raum hat.“ Der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis hob hervor, dass Religionen nicht immer nur für Kriege verantwortlich seien, sondern sehr oft auch einen wichtigen Teil zur Versöhnung beitrügen.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, verbindet mit dem gestarteten Dialogprozess die Hoffnung, dass damit eine Art Signalwirkung über die Grenzen Österreichs hinaus erzielt werde: „Was wir heute begonnen haben, ist für mich ein positives Zeichen. Menschen sollten überall in Freiheit leben können. Der Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel in der vergangenen Woche zeigt, dass dies noch nicht überall möglich ist.“

Fuat Sanac von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sieht in dem Zusammentreffen zwischen Intergrationsministerium und Religionsgesellschaften einen „historischen Tag“. Der Einsatz für Religionsfreiheit sei wichtig, da diese das „Herzstück der Menschenrechte“ sei. Aus seiner Sicht spiele Österreich eine Vorreiterrolle in Europa, was Religionsfreiheit betrifft.

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ISSN 2222-2464