Horn: In der Mahlgemeinschaft nicht ausgrenzen

Im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages in Berlin ortet der Wiener Superintendent die Angst des Papstes vor unerlaubter Interkommunion.

Wien, 24. April 2003 (epd Ö) Kritik an der jüngsten Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ von Papst Johannes Paul II. äußerte auch der Wiener Superintendent, Mag. Werner Horn. Horn sieht in der Veröffentlichung der Enzyklika zu diesem Zeitpunkt, nämlich vor Beginn des Ökumenischen Kirchentages in Berlin, die Sorge, „ja Angst des Papstes“ vor unerlaubter Interkommunion. Aber auch die römisch-katholische Kirche müsse sich die Frage nach der stiftungsgemäßen Verwaltung des Abendmahls gefallen lassen. Evangelische Christen hätten guten – nämlich biblischen – Grund, Christus als den Einladenden zu verstehen. Daher dürfe Kirche gerade in der Mahlgemeinschaft nicht ausgrenzen. Der Superintendent hofft, „dass Gottes Geist alle Christen und Kirchen zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich der eucharistischen Feier führt“. Horn: „Glaubwürdiger wird das christliche Zeugnis jedenfalls durch die Verweigerung der Abendmahlsgemeinschaft nicht.“

Bevor sich protestantische Kritik an Pressemeldungen entzünde, sollte allerdings der ganze umfangreiche Text gelesen werden, betont Horn in einer Aussendung vom Donnerstag. Dieser mache deutlich, dass das Kirchenverständnis der römisch-katholischen Kirche sich sehr stark von der Eucharistie her entfalte und damit Kirche wesentlich sakramental verstanden werde. Die Enzyklika zeige aber auch neuerlich, dass ein ökumenisches Gespräch über Abendmahl und Eucharistie niemals isoliert, sondern immer nur in Verbindung mit dem Amts- und Kirchenverständnis geführt werden könne. Hier sieht Horn derzeit keine Möglichkeit eines ökumenischen Fortschritts. Auch werde die Frage unterschiedlich beantwortet, ob Abendmahl und Eucharistie Kirchengemeinschaft voraussetze oder begründe.

ISSN 2222-2464