Grenzgänger zwischen Universität und Kirche

Evangelisch-Theologische Fakultät feierte 65. Geburtstag ihres Dekans Gottfried Adam

Wien (epd Ö) – Den 65. Geburtstag ihres Dekans, Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. Gottfried Adam, feierte die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien am 1. Dezember mit einem Studientag zum Thema „Diakonie und Bildung“. Zahlreiche Gäste aus dem Bereich der Universität und der Evangelischen Kirche im In- und Ausland würdigten den Dekan, der sich in seinen Dankesworten selbst als „Grenzgänger zwischen Universität und Kirche“ bezeichnete.

Den „Dimensionen des diakonischen Lernens“ – der Jubilar gilt als wichtiger Förderer dieser Idee – ging der Leipziger Religionspädagoge Univ.Prof. Dr. Helmut Hanisch in seinem Festvortrag nach. Dabei gehe es um die Befähigung junger Menschen zu diakonischem und sozialem Handeln. Das Fach „Diakonie“ komme jedoch ohne hinreichenden Praxisbezug nicht aus, betonte Hanisch. Jugendliche könnten so Anstöße zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung erhalten und ihr Selbstkonzept hin zu sozialem Engagement lenken. Diakonisches Lernen biete zudem die Chance, biblisch orientierte Motive des sozialen Handelns in die eigene Orientierung aufzunehmen.

Gelebte Diakonie

Passend zum Thema stellten Rektor Dr. Gerhard Gäbler und die Geschäftsführerin für den Bereich Wien des Diakoniewerkes Gallneukirchen, Mag. Magdalena Lederer, ein Projekt vor, das im neuen Wiener Evangelischen Gymnasium in Erdberg umgesetzt werden soll. In das Gymnasium, das einen diakonischen Schwerpunkt anbieten wird, werden Wohneinheiten für 13 ältere BewohnerInnen integriert. Durch das Modell der Hausgemeinschaften ergeben sich, so Lederer, Chancen zu einem wechselseitig bereichernden Austausch. Geplant sind „überschaubare“ Wohnangebote für Menschen mit Betreuungsbedarf. Lederer: „Ein innovatives Modell einer an Normalität orientierten Wohnform.“ Schülerinnen des Evangelischen Gymnasiums berichteten im Anschluss von der freiwilligen Übung „Gelebte Diakonie“. „Diese Erfahrung will ich jedem gönnen“, meinte etwa eine Schülerin, die durch dieses Projekt ihre Berührungsängste gegenüber alten Menschen ablegen konnte.

Bemühen um universitäre Gesamtstrategie

Die Glückwünsche der Universität überbrachte Rektor Univ.Prof. Dr. Georg Winckler. In einer Gesellschaft, die die Universität kritisch an ihrer Effizienz messe, gelte es, Lehre und Forschung zweckfrei zu halten. Winckler dankte Adam für das gemeinsame Bemühen, aus einem „fragmentarischen Zustand“ hin zu einer universitären Gesamtstrategie aufzubrechen. Als „Akademiker von internationalem Format“ bezeichnete Vizedekan O. Univ.Prof. Dr. DDr. James-Alfred Loader den Jubilar in seinem Grußwort. Die Verdienste Adams etwa beim Aufbau des Religionsunterrichts in Hermannstadt (Rumänien) würdigte der dortige Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Univ.Prof. Dr. Hans Klein. Schon früh habe Adam „Grenzen geöffnet und uns mitgenommen in die Welt der Theologie“, sagte Klein. Über seinen langen gemeinsamen Weg mit Gottfried Adam erzählte der Bamberger Religionspädagoge Univ.Prof. Dr. Rainer Lachmann. Das gemeinsam verfasste „Religionspädagogische Kompendium“ gilt inzwischen als „Klassiker“.

Jubiläumsheft „Amt und Gemeinde“ – Festschrift für Gottfried Adam

Im Namen der Kirchenleitung dankte Bischof Mag. Herwig Sturm dem Dekan und überreichte ihm das neue Heft des theologischen Fachblatts „Amt und Gemeinde“. Das Heft ist dem Jubilar gewidmet, der schon seit mehreren Jahren das Fachblatt als Chefredakteur gestaltet. „Die Bibel als Buch der Bildung“ ist der Titel einer Festschrift, die FachkollegInnen für Gottfried Adam zum 65. Geburtstag verfasst haben. Moderiert wurde die Feier im Großen Festsaal der Universität von Studienprogrammleiter Ao. Univ.Prof. Dr. Robert Schelander.

ISSN 2222-2464