Grazer Evangelische Pfarrgemeinde protestiert gegen Karikaturen-Veröffentlichung

Forderung nach Selbstbeschränkung

Graz, 8. Februar 2006 (epd Ö) – Die Grazer Evangelische Pfarrgemeinde Liebenau protestiert gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in der „Kleinen Zeitung“. In einem Brief des Presbyteriums an den Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, Dr. Erwin Zankel, fordert das Leitungsgremium der Gemeinde „weise Selbstbeschränkung auch und gerade bei drohenden oder bewussten Verletzungen religiöser Gefühle“. Diese Selbstbeschränkung bedeute, so das Presbyterium, „keine Einschränkung der Presse- und Medienfreiheit“, die als „hohes Gut“ anerkannt wird.

Entschieden wendet sich die Grazer Tochtergemeinde in dem von Pfarrer Manfred Perko und Kurator Robert Finsterbusch unterzeichneten Schreiben „gegen die bewusste Inkaufnahme einer Eskalation des bereits seit Monaten andauernden Konfliktes, gegen eine Ausweitung des Konfliktes auf Österreich und somit eine Belastung des in Österreich guten Klimas des interreligiösen Dialoges und Respekts“. „Es muss erlaubt sein, alles zu sagen und zu schreiben. Aber es muss nicht alles gesagt und geschrieben werden, was erlaubt ist“, heißt es in dem Brief.

Das Presbyterium weist auf die Selbstbeschränkung österreichischer Medien etwa bei Nicht-Veröffentlichung von Leichenbildern nach Unfällen oder Katastrophen hin. Wie auch im konkreten Fall der Mohammed-Karikaturen könne eine Informations- und Dokumentationspflicht „diesen Tabubruch wohl kaum ausreichend begründen“.

ISSN 2222-2464