Flüchtlinge: Superintendent Dantine kritisiert Angstmache

Zu lang sei der Bevölkerung seitens der Politik vermittelt worden, dass es sich bei Asylwerbern und Flüchtlingen um ein Sicherheitsproblem handle, kritisiert Superintendent Olivier Dantine. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Zu lang sei der Bevölkerung seitens der Politik vermittelt worden, dass es sich bei Asylwerbern und Flüchtlingen um ein Sicherheitsproblem handle, kritisiert Superintendent Olivier Dantine. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

„Es geht nicht um Zahlen oder Quoten, es geht um Menschen“

Innsbruck (epdÖ) – „Wir müssen damit anfangen, Flüchtlinge mit anderen Augen zu sehen. Das ist etwas, was jeder und jede kann“, sagte Superintendent Olivier Dantine (Diözese Salzburg-Tirol) in der Ö1-Sendung „Zwischenruf“ am 21. Juni, in der er auch auf den Weltflüchtlingstag am 20. Juni einging.

„Ein großer Teil des derzeitigen Problems, die Flüchtlinge in unserem Land unterzubringen, ist in einer jahrzehntelang herangezüchteten Furcht begründet. Finden sich beherzte Menschen, die leerstehende Häuser, Hotels, Pensionen oder Pfarrhäuser für Flüchtlinge öffnen wollen, ist sehr oft ein Aufschrei der Nachbarn oder auch von Bürgermeistern die Folge“, so Dantine. Zu lang sei der Bevölkerung seitens der Politik vermittelt worden, dass es sich bei Asylwerbern und Flüchtlingen um ein Sicherheitsproblem handle. Dies sei nicht zuletzt deswegen auf fruchtbaren Boden gefallen, weil mehr Wohlstand auch die Angst mit sich bringe, diesen Wohlstand wieder zu verlieren und sozial abzusteigen. Dieser Umstand erkläre auch, warum während der Flüchtlingskrisen 1956 (Ungarnaufstand) und 1968 (Prager Frühling) Flüchtlinge wohlwollender aufgenommen worden seien.

Angesichts der aktuellen Lage dürfe man nicht vergessen, dass hinter den Fakten notleidende Menschen stehen. „Es geht nicht um Zahlen und Quoten, es geht nicht um Flüchtlingsströme, sondern es geht um Menschen. Menschen mit ihren Schicksalen, aber eben auch Menschen, die sich danach sehnen, nicht nur in ihrer Not wahrgenommen zu werden und schon gar nicht als ein zu lösendes Problem, sondern auch darin, welchen Beitrag sie in die Aufnahmeländer einbringen können und auch wollen“, betonte der Superintendent.

Die Sendung kann noch bis zum 28. Juni unter „7 Tage Ö1“ auf oe1.orf.at nachgehört werden.

ISSN 2222-2464