Finnische Evangelische Gemeinde in Österreich gegründet

Ergebnis einer jahrzehntelangen guten Zusammenarbeit

Wien, 24. Oktober 2005 (epd Ö) – „Es ist ein langer Prozess gewesen, der jetzt zu einem guten Ende kommt“, sagte der finnische Erzbischof Jukka Paarma beim Festakt anlässlich der Anerkennung der Finnischen Evangelischen Gemeinde A.B. in Österreich durch den Evangelischen Oberkirchenrat A. und H.B. Bei der Feier am vergangenen Freitag im Evangelischen Zentrum in Wien dankte Paarma für die „jahrzehntelange gute Zusammenarbeit beider Kirchen“. Mit der Amtseinführung einer finnischen Pfarrerin nach den Richtlinien des Kirchenrechts der Evangelischen Kirche in Österreich bekomme „die Begegnung unserer beiden Kirchen einen neuen Status, und dafür bin ich sehr dankbar“, betonte Bischof Mag. Herwig Sturm.

Von einem „Meilenstein in unseren gegenseitigen Beziehungen“ sprach Pfarrer Risto Cantell vom Außenamt der Evangelisch-lutherischen Kirche in Finnland. Auch wenn die gesellschaftlichen Kontexte beider Kirchen unterschiedlich seien – in Finnland gehören rund 84 Prozent der Evangelisch-lutherischen Kirche an – hätten der Glaube, die gegenseitigen Besuche und der Austausch die beiden Kirchen verbunden.

Anliegen der Reformation umgesetzt

„Die Verwurzelung des Evangeliums und des evangelischen Glaubens in der jeweiligen Volkssprache ist ein entschiedenes Anliegen der Reformation gewesen“, sagte Sturm in Vertretung des zuständigen Oberkirchenrates Dr. Michael Bünker, der wegen Krankheit am Festakt nicht teilnehmen konnte. In der Ansprache Bünkers, die von Sturm verlesen wurde, hieß es weiter, dass es aus „dieser theologischen Grundüberzeugung nicht bei der gastfreien Aufnahme evangelischer Christinnen und Christen in unserer Kirche bleiben kann“. Sie begründe einen „Anspruch auf ein Gemeindeleben in der Herkunftssprache“.

Die „ganz solide Grundlage einer Körperschaft öffentlichen Rechts für die neue finnische Pfarrgemeinde“ unterstrich der Präsident der Synode und der Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer. Der Weg zur Gründung fremdsprachiger Personalgemeinden sei nicht einfach gewesen. Die Gemeindegründung erscheine wie „die logische Folge der guten Zusammenarbeit“, sagte der finnische Botschaftsrat Eero Suominen. Suominen dankte der Evangelischen Kirche in Österreich für die Möglichkeit der Gemeindegründung und hofft, „dass dieser Baum der guten Zusammenarbeit weiterhin gute Früchte trägt“.

Eine „Herausforderung“ werde die finnische Gemeinde für die Evangelische Kirche in Österreich bleiben, erklärte die neue Pfarrerin der finnischen Gemeinde, Mag. Johanna Uljas-Lutz. „Jede fremdsprachige Gemeinde bringt neue Lernperspektiven in die österreichische Kirche hinein.“ Es werde eine der „großen Aufgaben der kommenden Jahre sein, diese unterschiedlichen evangelischen Traditionen aufzunehmen.“ Uljas-Lutz, die über viele Jahre die finnische Gemeinde als Pfarrerin aufgebaut und betreut hat, ist am Sonntag, 23. Oktober, im Rahmen eine Festgottesdienstes in der Gemeinde Wien-Döbling in ihr Amt als Pfarrerin der finnischen Gemeinde eingeführt worden. Die Pfarrgemeinde in der Börnergasse dient der finnischen Gemeinde auch als Heimatgemeinde.

ISSN 2222-2464