Evangelisch-lutherische Synode eröffnet

Die evangelische Kurfürstenkirche in Leibnitz (Foto: epv/Janits)
Die evangelische Kurfürstenkirche in Leibnitz (Foto: epv/Janits)

Superintendent Miklas: Kirche muss sich in die Mitte rufen lassen – Delegierte aus ganz Österreich tagen bis Mittwoch im Schloss Seggau bei Leibnitz – Gedenken an Metropolit Staikos

Leibnitz, 23. Oktober 2011 (epdÖ) – Mit einem Gottesdienst wurden am Sonntag, 23. Oktober, die Synode der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in der Kurfürstenkirche in Leibnitz eröffnet. Die Synode A.B. und die daran anschließende Generalsynode tagen bis Mittwochabend im Schloss Seggau.

In seiner Predigt ging der steirische Superintendent Hermann Miklas auf Papst Benedikt XVI. Forderung nach einer „Entweltlichung der Kirche“ ein. „Eine Kirche, die sich immer mehr aus der sie umgebenden Welt zurückzieht und versucht, als kleine Schar der besonders Getreuen eine Art interne ‚Gegen-Welt‘ zu bilden, eine solche Kirche läuft Gefahr, abzuheben und exklusiv zu werden“, betonte Miklas. Gleichzeitig müssten sich die evangelischen Kirchen eingestehen, dass sie manchmal dem Zeitgeist erlegen seien. Miklas nannte die Zeit des Nationalsozialismus, den Kommunismus in der DDR oder das Apartheid-Regime in Südafrika als Beispiele. Viele hätten sich unkritisch der Welt angepasst, so Miklas. Er sei froh, dass die Kirche spät, aber doch ihre Schuld bekannt habe im Umgang mit der so genannten Judenfrage während der NS-Zeit.

Zwischen Ver- und Entweltlichung der Kirche sei es von zentraler Bedeutung, sich wieder in die Mitte rufen zu lassen, die Jesus Christus sei. Bereits die Reformation sei eine Bewegung hin zur Mitte und zum Wesentlichen gewesen. Heute habe die Kirche zu prüfen, auf welchem Weg sie sich befände. „Hat sie sich zu weit von der Mitte entfernt, hat sie der ‚Ethisierung‘ des Glaubens Vorschub geleistet, hat sie Unrecht zu wenig erkannt und kritisiert in der Welt?“, fragte Miklas.

Zum Abschluss der Predigt erinnerte der Superintendent an das Beispiel des Zirkels: „Dort, wo die Spitze fest verankert ist, kann man ganz leicht weite Kreise ziehen.“ Miklas wünschte der Synode ein „starkes Vertrauen auf die Mitte, auf Jesus Christus und den Mut zu weitherzigem Denken“.

In den Abkündigungen und Fürbitten gedachte der Administrator der evangelischen Pfarrgemeinde Leibnitz, Pfarrer Andreas Gerhold, des am 18. Oktober verstorbenen orthodoxen Metropoliten von Austria, Michael Staikos sowie der verfolgten koptischen Christinnen und Christen in Ägypten. Neben Miklas und Gerhold feierten der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, die Superintendentin von Salzburg-Tirol Luise Müller und die steirische Superintendentialkuratorin Evi Lintner mit der Gemeinde. Der Gottesdienst wurde musikalisch von Eva Bösendorfer an der Orgel und dem „Leibnitzer Gesangverein 1846 – Stimmig“ unter der Leitung von Regina Antensteiner umrahmt.

„In unserem Land ist die Hälfte der Bewohner von den Folgen der Wirtschaftskrise betroffen, in der Kirche suchen wir täglich nach relevanten Antworten für die Menschen“, sagte der Präsident der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn, András Korányi, vor den Delegierten der Synode bei der Eröffnungssitzung im Schloss Seggau. In diesen Zeiten sei es besonders wichtig, dass die Kirchen gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen. Die Kirchen bräuchten ein „dreifaches S“, meinte der Vizepräsident der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heiner Götz, in seinem Grußwort: „Die Kirchen müssen sensibel auf die Menschen zugehen, mit ihnen solidarisch sein und spirituell das einbringen, was die Kirchen bewegt.“ Ein weiteres Grußwort sprach Pavel Kaspar, zweiter Stellvertreter des Synodalseniors der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien.

ISSN 2222-2464