Diakonie fordert umfassende Demenzstrategie

Der Mediziner Alois Alzheimer (zu sehen auf einer Gedenktafel in Breslau) entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts die nach ihm benannte Erkrankung. Alzheimer ist eine Form der Demenzerkrankung, die 60 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht. (Foto: Wikiepedia/Bonio)
Der Mediziner Alois Alzheimer (zu sehen auf einer Gedenktafel in Breslau) entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts die nach ihm benannte Erkrankung. Alzheimer ist eine Form der Demenzerkrankung, die 60 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht. (Foto: Wikiepedia/Bonio)

Chalupka: „Pflegende Angehörige müssen entlastet werden“

Wien (epdÖ) – Eine umfassende Demenz-Strategie für Österreich fordert die Diakonie angesichts zunehmender Erkrankungen. Im Jahr 2020 werden bereits 130.000 Menschen von der Krankheit Demenz direkt betroffen sein, es herrsche also dringender Handlungsbedarf, so Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, bei einer Pressekonferenz am 17. April in Wien.

„Die österreichische Demenzstrategie muss unvergesslich werden und weite Teile der Bevölkerung erreichen, weil in Zukunft immer mehr Menschen von Demenz direkt oder indirekt durch Angehörige betroffen sein werden“, sagte Chalupka. Insofern sei es wichtig, dass dieses Thema seitens der Bundesregierung nicht nur durch das Sozialministerium behandelt werde, sondern auch durch eine interministerielle Arbeitsgruppe, denn „Demenz betrifft alle Teile des gemeinschaftlichen Zusammenlebens“. Eine Reduzierung des Themas auf den Pflegebereich würde zu kurz greifen.

Durch die Zunahme von Demenz-Erkrankungen sei es wichtig, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Es werde immer mehr zur Normalität, mit dementen Menschen zusammenzuleben, von daher brauche es Aufklärung und Sensibilisierung in der Gesellschaft, aber etwa auch bei speziellen Berufsgruppen. „In Salzburg gibt es bereits eine Apotheke, deren Mitarbeiter im Umgang mit an Demenz erkrankten Personen geschult sind. Eine solche Hilfe braucht es auch in Supermärkten. Und auch Polizei und Feuerwehr müssen den Umgang mit diesen Menschen lernen“, erklärte der Diakonie-Direktor.

Darüber hinaus sei es wichtig, die Angehörigen – hier speziell Frauen, die in 80 Prozent der Fälle die Pflege und Betreuung übernehmen – mit einem Entlastungspaket zu unterstützen. So fordert die Diakonie konkret mehr Tageszentren beziehungsweise Alzheimer-Cafés, wo erkrankte Menschen untertags betreut werden können. „Wir stehen derzeit immer noch vor der Situation, dass viele notwendige Dienstleistungen in diesem Bereich fehlen oder dort, wo es sie gibt, nicht leistbar sind“, kritisierte Chalupka. Gerade im ländlichen Bereich sei die Versorgung oft unzureichend. „Jetzt muss etwas getan werden, denn wir wissen ja jetzt schon, wie sich der Bedarf in den kommenden Jahren vervielfachen wird.“

Für ein Umdenken tritt auch der Gerontopsychologe Alexander Aschenbrenner vom Diakoniewerk Salzburg ein: „Wir müssen weg von den negativen Bildern, also etwa von Aussprüchen wie: ‚Demenz ist die Seuche des Alters‘. Meine Erfahrung ist: Es ist alles nicht so schlimm, wenn Betroffene und Angehörige gut begleitet werden.“ Grundsätzlich unterscheide man verschiedene Formen der Demenz, die häufigsten und bekanntesten Formen sind die Alzheimer-Demenz sowie die vaskuläre Demenz. Wie es zur Entstehung von Demenz, die von „normaler Vergesslichkeit im Alter“ unterschieden werden muss, kommt und wie Prävention aussehen könnte, sei derzeit noch größtenteils unklar. Für alle Formen gelte aber, dass zwar die kognitiven Fähigkeiten sinken würden, aber ein emotionaler Zugang zu den Menschen durchaus vorhanden bleibe, so Aschenbrenner.

ISSN 2222-2464