Dantine: „Auch bettelnde Menschen müssen Platz haben“

"Betteln erlaubt - Geben auch!" Mit diesem Slogan leistete die Erzdiözese Salzburg auf ihrer Website Widerstand gegen ein "Bettler-Bashing". Foto: epd/Uschmann
"Betteln erlaubt - Geben auch!" Mit diesem Slogan leistete die Erzdiözese Salzburg auf ihrer Website Widerstand gegen ein "Bettler-Bashing". Foto: epd/Uschmann

Kirchlicher Widerstand gegen Bettler-Bashing bei Salzburg-Wahlen

Salzburg (epdÖ) – Die Kommunalwahlen im Bundesland Salzburg sind geschlagen, ein Nachgeschmack aber bleibt, stand doch die Bettler in der Stadt Salzburg unfreiwillig im Mittelpunkt des Wahlkampfs. „Betteln erlaubt – Geben auch!“ Mit diesem Slogan leistete die Erzdiözese Salzburg auf ihrer Website Widerstand gegen ein „Bettler-Bashing“, das sich durch den Wahlkampf im Vorfeld der Kommunalwahlen zog. Von der ökumenisch getragenen Initiative „Offener Himmel. infopoint kirchen“ wurde zudem die Website www.hinschauen-statt-verurteilen.at eingerichtet, die ebenfalls zum respektvollen Umgang mit Armutsmigranten aufruft. „Hinschauen statt verurteilen“ heißt es dort, und: „Bettler sind Gesprächsthema! Sind sie auch Gesprächspartner?“

Inzwischen lägen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema „Notreisen“ in die Wohlstandsregionen Europas vor, die die „unbelegten Gerüchte, Vermutungen oder Behauptungen“ im öffentlichen Diskurs widerlegen, wiesen die kirchlichen Betreiber hin. Zuletzt wurden im Hinblick auf den Urnengang am 9. März Flugblätter mit dem Appell „Bitte geben Sie diesen Bettlern kein Geld“ verbreitet, mit dem das „Team Salzburg“ mit Ex-BZÖ-Staatssekretär Eduard Mainoni an der Spitze „einschlägig bekannten Familienclans und straff organisierten Banden hinter den Bettlern“ entgegentreten will. Auch die ÖVP publizierte auf Plakaten, dass Salzburg Ziel organisierter Bettlerbanden sei.

Demgegenüber ermutigen die Kirchen in Salzburg zu Fragen wie: „Wer sind die Menschen, die von der Politik und den Medien oft pauschal als Angehörige einer ‚Bettelmafia‘ stigmatisiert werden, welche Geschichten haben sie zu erzählen, woher kommen sie und warum haben sie ihre Heimat verlassen?“ Und es folgt der Aufruf: „Wir sind es uns schuldig, einen Beitrag zur Überwindung dieser existenzgefährdenden Notlagen zu leisten“. Das gelte sowohl in Salzburg als einer „Wohlstandsregion“ in Europa als auch in den Herkunftsregionen der Bettler.

Dem Aufruf haben sich mehrere Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und der Zivilgesellschaft angeschlossen, die um Verständnis und Respekt für die Bettler werben, darunter auch der evangelische Superintendent von Salzburg und Tirol Olivier Dantine: „Weil wir Armut nicht bekämpfen können, indem wir sie einfach unsichtbar machen, müssen auch arme und bettelnde Menschen in einer reichen Stadt Platz haben. Hand aufs Herz: Was nehmen sie uns denn weg, außer die Illusion einer heilen Welt?“

ISSN 2222-2464