02.12.2023

Danke Henriette!

Michael Chalupka über eine besondere evangelische Frau

Den Christbaum gibt es hierzulande seit rund 200 Jahren. Heute ist er zu Weihnachten nicht mehr wegzudenken. (Foto: Pixabay/distelAPPArath)

Michael Chalupka über eine besondere evangelische Frau

Der Henriettenmarkt in der Inneren Stadt in Wien hat wieder geöffnet. Dienstag bis Samstag kann man dort den Tag bei einem Glas Punsch beschließen, und am Sonntag ist er nach dem Gottesdienst in der Reformierten Stadtkirche geöffnet. So weit so normal in einer Stadt der Punschhütten und Adventstandeln. Und doch ist er ein Kleinod. Er erinnert an jene Prinzessin, die den Christbaum nach Wien gebracht hat, der jetzt in keinem Haushalt fehlt.

Das war nicht immer so. In Wien und in ganz Österreich war bis 1816 kaum ein Weihnachtsbaum zu sehen. Henriette von Nassau-Weilburg, die Frau von Erzherzog Karl, einem begabten, aber unglücklichen Spross der Kaiserfamilie, hat den Brauch aus ihrer Heimat mitgebracht.

Henriette von Nassau muss ein durchsetzungsstarkes Persönchen gewesen sein. Mit 18 Jahren heiratete sie den um 26 Jahre älteren Erzherzog und beharrte darauf, evangelisch zu bleiben. Die beiden führten die erste gemischt konfessionelle Ehe im Kaiserhaus, die glücklich gewesen sein soll, und hatten sieben Kinder. Zu früh, mit 32 Jahren, ist Henriette gestorben und als einzige Protestantin in der Kapuzinergruft bestattet.

In Erinnerung bleibt sie aber als Stifterin des Christbaums in Österreich. Ihr zu Ehren veranstaltet die Reformierte Gemeinde den Henriettenmarkt im Advent, dort kann man in stiller Dankbarkeit seinen Punsch schlürfen, auch wenn die Evangelische Kirche keine Heiligen kennt.

ISSN 2222-2464

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Weihnachten | Chalupka

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