Danke für diesen guten Morgen

"Wer einmal im Religionsunterricht gesessen ist, hat es wahrscheinlich gesungen – das Lied 'Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag'." Foto: pixnio
"Wer einmal im Religionsunterricht gesessen ist, hat es wahrscheinlich gesungen – das Lied 'Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag'." Foto: pixnio

Von Gott und der Welt – Michael Chalupka über einen „Schnulzenpfarrer“

Wer einmal im Religionsunterricht gesessen ist, hat es wahrscheinlich gesungen – das Lied „Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag“. Wir evangelischen Schüler hatten immer nur eine Stunde, deshalb besuchte ich auch den katholischen Unterricht. Das Lied wurde in beiden Stunden gesungen, aber im katholischen Unterricht, dank eines stimmkräftigen Kaplans und der größeren Schüleranzahl, mit größerer Lautstärke und Inbrunst. Bei der dritten Strophe „Danke für meine Arbeitsstelle“ konnten wir uns in der Oberstufe ein Schmunzeln nicht verkneifen.

So dachte ich immer, es sei ein katholisches Lied. In Wahrheit war es das Ergebnis eines evangelischen Schlagerwettbewerbs für Kirchenlieder. Der Begründer des Wettbewerbs, der evangelische Pfarrer Günter Hegele, ist dieser Tage mit 90 verstorben. In den Nachrufen wird er als experimentierfreudiger Veränderer der Kirche, als Begründer der Pop-Theologie oder als „Schnulzenpfarrer“ bezeichnet. Das hätte ihm wohl gar nichts ausgemacht: „Der Schlager spricht tiefere Schichten im Menschen an; die Einsamkeit, die Sehnsucht nach Liebe, nach Heimat, Freude und Gefühl, nach Geheimnis, Trost und irrationalen Inhalten“, hat er selbst geschrieben.

Das „Danke“-Lied war 1963 übrigens 6 Wochen lang der Nummer-1-Hit in den deutschen Charts. Und ich kann den Text noch immer auswendig. Vor allem die 3. Strophe liebe ich.

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ISSN 2222-2464