Burgenland: Gedenkstein für NS-Opfer in Goberling enthüllt

Enthüllung des Gedenksteins (Foto: burgenland.orf.at)
Enthüllung des Gedenksteins (Foto: burgenland.orf.at)

Gerhard Baumgartner: Nach wie vor ungeklärte Aspekte bei Roma-Schicksalen

Goberling (epdÖ) – An das schreckliche Schicksal der Roma, der Euthanasieopfer sowie politisch Verfolgter im südburgenländischen Goberling (Ortsteil von Stadtschlaining im Bezirk Oberwart) während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert seit wenigen Tagen ein Gedenkstein vor der evangelischen Kirche in Goberling, der im Rahmen einer ökumenischen Andacht am 7. November feierlich enthüllt wurde. Im Zuge der Renovierungsarbeiten an der evangelischen Kirche entstand eine Initiative zur Errichtung einer Gedenktafel für die Roma von Goberling, die von der evangelischen Pfarrgemeinde Stadtschlaining, der politischen Gemeinde Goberling und dem Verein Concentrum getragen wurde. Insgesamt wurden 82 Menschen aus dem Ort im Konzentrationslager ermordet, darunter 78 Roma.

Bei der Gedenkfeier wurde darauf hingewiesen, dass es bei dieser Aktion auch darum gehe, den Ermordeten, die alle aus Goberling stammten und zwischen 23 und 40 Jahre alt waren, ihren Namen wiederzugeben. „Wir wollen heute die Namen nennen, den Ermordeten ihre Namen wiedergeben“, war der Grundtenor bei der ökumenischen Andacht. „Das bedeutet, sie aus den schieren Totenzahlen wieder zu Individuen werden zu lassen.“ Verlesen wurden dann – nur beispielhaft – einige Namen mit Geburts- und Todesdatum, wobei in der Andacht bei jeder Namensnennung eine Kerze entzündet wurde. Die Feier wurde von Burgenlands Superintendent Manfred Koch und dem römisch-katholischen Generalvikar Martin Korpitsch gestaltet.

Im Anschluss an den Gottesdienst referierte der Historiker Gerhard Baumgartner, Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW), über das Schicksal der Roma im Burgenland. Rund 12.000 Roma lebten in Österreich vor dem „Anschluss“, davon allein 9000 im Burgenland. Von ihnen wurden beinahe alle ermordet, nach Zählung des DÖW überlebten nur 948 Menschen. „Das Schicksal der Roma und Sinti im Nationalsozialismus ist heute zwar schon wesentlich besser erforscht als noch vor zehn oder zwanzig Jahren, aber es gibt noch viele völlig ungeklärte Aspekte“, erklärte Baumgartner. Seiner Meinung nach wäre es nach 1945 eine zentrale Aufgabe eines demokratischen Staates gewesen, festzustellen, welche seiner Bürgerinnen und Bürger wann, wo, wie und warum ermordet wurden und wo sie begraben liegen. Bei den meisten verschleppten und ermordeten Roma und Sinti sei dies aber bis heute nicht bekannt.

„Es geht darum, ein Unrecht zu benennen und dies einmal an einer öffentlichen Stelle publik zu machen“, sagt Gerhard Harkam, Pfarrer in Stadtschlaining. Trotz des schlechten Wetters seien zahlreiche Menschen zu der Feier gekommen, die Stimmung sei sehr bewegend gewesen. „Die Leute haben mich im Nachhinein angesprochen, dass es eine sehr wichtige Feier gewesen sei“, so Harkam. Der Pfarrer von Stadtschlaining freut sich darüber, dass die Bevölkerung in das Projekt eingebunden und dies von den Menschen vor Ort auch angenommen wurde. „Wir ehren unsere Soldaten schon jahrzehntelang seit dem Kriegsende. Und es ist nur mehr als gerecht, dass wir auch unserer zivilen Opfer gedenken, die hier aus Goberling stammen. Sie sollen so ein ehrendes Gedenken erhalten“, zitiert „orf.at“ den Ortsvorsteher von Goberling, Hans Bieler.

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ISSN 2222-2464