Bünker: „Hunger ist ein politisches Problem“

(v.l.) stv. Geschäftsführerin von "Brot für die Welt" Barbara Heyse-Schaefer, Bischof Michael Bünker, Leiterin der Projektarbeit Dagmar Lassmann
(v.l.) stv. Geschäftsführerin von "Brot für die Welt" Barbara Heyse-Schaefer, Bischof Michael Bünker, Leiterin der Projektarbeit Dagmar Lassmann

Die neue evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ arbeitet mit lokalen Partnern an nachhaltigen Projekten zur Bekämpfung von Hunger und Armut

Wien (epdÖ) – Vor dem Welternährungstag am 16. Oktober hat die evangelische Kirche die neue Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ vorgestellt. „Hunger ist kein Schicksal, Hunger wird gemacht“, betonte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker – er hat die Schirmherrschaft für „Brot für die Welt“ übernommen – am Donnerstag, 13. Oktober, vor Journalisten im Wiener Albert Schweitzer Haus. Hunger sei ein politisches Problem und entstünde nicht aus Mangel an Lebensmitteln. Das Millennium-Entwicklungsziel, die Anzahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, könne nicht mehr erreicht werden, vielmehr sei die Zahl der Hungernden seit dem Jahr 2000 wieder im Steigen begriffen, kritisierte Bünker. Dabei sei Entwicklungszusammenarbeit eine moralische Verpflichtung. „Das Menschenrecht auf Nahrung wird vielen vorenthalten“, so der Bischof.

Bünker lobte in diesem Zusammenhang die Spendenfreudigkeit der Österreicherinnen und Österreicher, mahnte aber auch die Verantwortung der Regierung ein. Das europäische Ziel, 0,7 Prozent des Staatshaushaltes für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen, sei nach wie vor nicht erreicht, vielmehr würden die Mittel offiziell gekürzt. „Das ist für eines der reichsten Länder Europas wirklich beschämend“, resümierte Bünker. Die Zusage seitens der Regierungsspitze, das Budget für die Ostafrika-Hilfe zu erhöhen, sei aber ein „erster guter Schritt in die richtige Richtung“. Für die evangelischen Kirchen sei es jedenfalls wichtig, entwicklungspolitische Aufgaben weiterhin wahrzunehmen, dies geschehe nun durch die Arbeit von „Brot für die Welt“.

Die stellvertretende Geschäftsführerin von „Brot für die Welt“, Pfarrerin Barbara Heyse-Schaefer, machte auf die Rolle der Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit aufmerksam. „Ernährung zu sichern liegt weltweit in den Händen von Frauen“, so Heyse-Schaefer. Gleichzeitig seien aber Frauen erheblich stärker von Armut und Hunger betroffen. Darum sei die Förderung von Frauen in allen Lebensbereichen auch ein Schwerpunkt der Arbeit von „Brot für die Welt“. „Unsere Projekte gehen von den Bedürfnissen der Menschen in den Zielregionen aus. Nur so kann es eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit geben, bei der die Hilfe zu den Menschen kommt und nicht umgekehrt“, erklärte Dagmar Lassmann, Leiterin der Projektarbeit bei „Brot für die Welt“. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit Projektpartnern vor Ort. Es gehe darum, die Organisationen vor Ort zu unterstützen. „Entwicklungsarbeit braucht einen langen Atem und den Blick auf die kleinen Schritte, die für die Projektpartner große Erfolge sind“, so Lassmann.

„Brot für die Welt“, eine Kooperation der Evangelischen Frauenarbeit in Österreich und der Diakonie, ist die entwicklungspolitische Aktion der Evangelischen Kirche A. und H.B. in Österreich. Die Aktionen „Brot für Hungernde“ sowie die Diakonie-„Auslandshilfe“ firmieren jetzt unter dem neuen, gemeinsamen Dach. „Brot für die Welt“-Deutschland ist Partner. Der Fokus der Arbeit von „Brot für die Welt“ liegt neben entwicklungspolitischer Projektarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern auch auf der Bildungsarbeit in Österreich. Die Organisation betreibt derzeit Hilfsprojekte in 18 Ländern.

„Brot für die Welt“ bittet um finanzielle Unterstützung. Spendenkonto: PSK 900 566 00 (BLZ 60.000). Weitere Informationen über „Brot für die Welt“ finden Sie im Internet unter www.brot-fuer-die-welt.at

ISSN 2222-2464