Bünker: Dramatische Steigerung der Armut kann Kirchen nicht unbeteiligt lassen

v.li.: Kirchenrat Klaus Rieth, Landesbischof Frank Otfried July und Bischof Michael Bünker
v.li.: Kirchenrat Klaus Rieth, Landesbischof Frank Otfried July und Bischof Michael Bünker

Fragen der globalen Gerechtigkeit im Mittelpunkt der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes

Wien (epd Ö) – Die evangelisch-lutherischen Kirchen in aller Welt bereiten sich auf die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes vor, die von 20. bis 27. Juli in Stuttgart stattfindet. Im Vorfeld des evangelisch-lutherischen Großereignisses informierten Bischof Michael Bünker, Landesbischof Frank Otfried July von der gastgebenden Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Kirchenrat Klaus Rieth bei einer Pressekonferenz am Freitag, 21. Mai, in Wien über Inhalte und Ziele der Versammlung, zu der auch eine Sondermarke bei der Österreichischen Post erschienen ist.

Im Mittelpunkt der Vollversammlung stehen Fragen der weltweiten Gerechtigkeit, kündigte Michael Bünker an. Durch die Auswirkungen der Finanzkrise habe sich die Lage gerade „für die Ärmsten dramatisch verschärft“, was sich etwa auch an den notwendigen Sparmaßnahmen in Griechenland zeige. Dass der Anteil der Armen „drastisch steigt, kann die Kirchen nicht unbeteiligt lassen“, bekräftigte der Bischof. Kirchen agierten hier als „Anwälte  jener, die sonst nicht zu Gehör kommen“. Als zentrale Themen des Lutherischen Weltbundes – ihm gehören weltweit 140 Kirchen mit rund 70 Millionen Mitgliedern an – nannte Bünker die Gleichstellung von Männern und Frauen, die Beteiligung Jugendlicher am gesellschaftlichen Leben, nachhaltige Entwicklung angesichts von Klimawandel und Weltwirtschaftskrise sowie den Kampf gegen die Pandemie Aids, die gerade in Europa neu in den Fokus rücke. So steige derzeit die Ansteckungsrate am rasantesten in der Ukraine. Insgesamt seien die lutherischen Kirchen gemeinsam mit anderen eine der „weltweit größten Hilfsorganisationen“, etwa im Bereich der Katastrophenhilfe. Bünker erinnerte daran, dass der Lutherische Weltbund 1999 in Augsburg mit der Römisch-katholischen Kirche die Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet habe, „ein Meilenstein“ in der evangelisch-katholischen Ökumene.

„Stuttgart freut sich auf die Vollversammlung“, sagte der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. Globalisierung beinhalte vor allem auch ein „sehr großes soziales Potential“. Das spiegle sich auch in der Versammlung wider, bei der sich über zweitausend evangelisch-lutherische Christinnen und Christen aus der ganzen Welt begegnen werden, um miteinander zu reden, zu feiern und zu beten. Als prominente Gäste aus der Ökumene erwarten die Veranstalter den Erzbischof der Anglikanischen Kirche Rowan Williams sowie die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai, die zu den Delegierten sprechen werden.

Sonderbriefmarke anlässlich der Vollversammlung

Anlässlich dieses evangelischen Großevents präsentierten die Bischöfe eine Sonderbriefmarke, die nach einer Idee von Klaus Rieth – er leitet das lokale Vorbereitungsteam – entstanden ist. Auf der 55-Cent-Marke ist neben dem Stuttgarter Fernsehturm, einem Wahrzeichen der süddeutschen Stadt, auch die Lutherrose als Zeichen der weltweiten evangelisch-lutherischen Christen sowie das Motto der Versammlung „Unser tägliches Brot gib uns heute“ abgebildet. Die Marke ist direkt über die Württembergische Landeskirche erhältlich. Sie soll, so Klaus Rieth, das Motto der Vollversammlung „in alle Welt“ tragen.

ISSN 2222-2464