Bünker: „2014 besonderes Jahr für Europa“

Bischof Bünker: "Jeder und jede kann dazu beitragen, dass Europa ein Europa der Bürgerinnen und Bürger wird". Foto: epd/Uschmann
Bischof Bünker: "Jeder und jede kann dazu beitragen, dass Europa ein Europa der Bürgerinnen und Bürger wird". Foto: epd/Uschmann

Bischof ruft in ORF-Neujahrsansprache zur Teilnahme an EU-Wahl auf

Wien (epdÖ) – Als ein besonderes Jahr für Europa bezeichnete der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker das Jahr 2014 in seiner Neujahrsansprache. Die Wahlen zum europäischen Parlament, aber auch das Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren würden das kommende Jahr prägen, zeigte sich Bünker in der TV-Ansprache, die am 1. Jänner auf ORF2 ausgestrahlt wurde, überzeugt.

„Krieg und Frieden, Gewalt und Menschenrechte, Diktatur und Demokratie liegen dicht beieinander, fast so, als ob es dem Kontinent in die Wiege gelegt worden wäre“, sagte Bischof Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ist. „Es stimmt schon, Europa ist der Kontinent, der aus Blut, Tränen und Schmerzen geboren wurde“, so der Bischof bei der Ansprache, die vor dem Bild der Europa im Kunsthistorischen Museum Wien aufgenommen wurde. Er erinnerte an den Ersten Weltkrieg und an das verheerende Blutbad, dass dieser angerichtet habe. Viele Menschen würden sich auch heute noch fragen, ob dies alles nicht zu verhindern gewesen wäre? Aber auch der von den Nationalsozialisten losgetretene Zweite Weltkrieg habe viel Leid über den Kontinent gebracht. Sechs Millionen Juden wurden im Holocaust ermordet.

Für offenen und legalen Zugang nach Europa

Heute könnte Europa auf sechzig Jahre Frieden zurückblicken, mit Ausnahme der Balkankriege vor zwanzig Jahren. Die Europäische Union habe deshalb aus Sicht Bünkers auch zu Recht den Friedensnobelpreis vor zwei Jahren gewonnen. Kritisch äußerte sich der Bischof zur Flüchtlingspolitik. „Europa schottet sich ab. Wer zu uns kommen will, muss sich Schleppern anvertrauen und riskiert nicht selten sein eigenes Leben. Es braucht wieder einen offenen und legalen Zugang nach Europa.“ Dazu gehöre die globale Verantwortung für Gerechtigkeit. Seit Jahren würden sich evangelische Aktionen wie etwa „Brot für die Welt“ auch dafür einsetzen, dass Europa wieder seine Verantwortung für ein menschenwürdiges Leben in jenen Länder wahrnehme, in denen Hunger und Armut herrschen.

Als besorgniserregend bezeichnet Bünker die Bank- und Finanzkrise sowie die hohe Arbeitslosenquote besonders unter jungen Menschen. „Die persönliche Sorge um die Zukunft führt dazu, dass immer mehr Menschen ihr Heil in einem Rückzug in die nationale Wagenburg sehen.“

Mit der Wahl zum Europäischen Parlament im Mai dieses Jahres habe jede und jeder die Möglichkeit, mitzugestalten, welche politische Zukunft für Europa gelten soll, damit Europa ein Europa der Bürgerinnen und Bürger werde. „Die evangelischen Kirchen setzen sich seit Langem für die europäische Integration, für das Friedens- und Zukunftsprojekt Europa ein. Daher rufen wir auch dazu auf, dass sich alle, gerade auch jene, die Europa skeptisch und kritisch gegenüberstehen, an dieser Wahl beteiligen“, so Bünker.

Die Sendung ist sieben Tage in der TV-Thek des ORF zu sehen: tvthek.orf.at

ISSN 2222-2464