Bischof Sturm: Ökumenische Theologie des Mutes und der Hoffnung

Leitungsausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen tagte in Wien – Oberkirchenrätin Reiner: KEK-Vollversammlung 2009 will Partizipation Jugendlicher ermöglichen

Wien (epd Ö) – Seine jährliche Leitungstagung hat der Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) von Mittwoch, 14. November, bis Samstag, 17. November, in Wien abgehalten. Bei seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst in der Liesinger Johanneskirche sprach sich der lutherische Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Mag. Herwig Sturm, für eine „ökumenische Theologie“ aus, die getragen ist „von Mut und Hoffnung“. Eine solche Theologie dürfe nicht vor dogmatischen Barrieren kapitulieren, meinte der Bischof.

 

Ein Schwerpunkt der Tagung war die Zusammenführung der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME) mit der KEK. Damit werde in der KEK eine „prophetische Stimme“ laut, erklärte die lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner gegenüber epd Ö. Die Migrationskommission unterstütze die KEK dabei, bedenkliche Entwicklungen zu sehen, so Reiner, die dem Zentralauschuss angehört. Während der KEK-Zentralaus-schuss tagte, war gleichzeitig auf Einladung des Evangelischen Flüchtlingsdienstes Österreich auch das Leitungsgremium von CCME in Wien. Konkret wehren sich die europäischen Kirchen etwa gegen den generell für alle EU-Staaten geplanten Ausschluss der Rückkehrmöglichkeit innerhalb von fünf Jahren. Damit würden das Schlepperunwesen gefördert und Familienzusammenführungen „praktisch unmöglich“, warnte Reiner. „Tief betroffen“ zeigte sich der Zentralausschuss auch von den Bestrebungen innerhalb der EU, die Schubhaft auszuweiten.

 

Vorbereitet wurde auf der Wiener Tagung auch die Vollversammlung der KEK, die 2009 – in diesem Jahr feiert die KEK ihr 50-jähriges Bestehen – in Lyon stattfinden wird. Die Vollversammlung steht, wie Reiner ankündigte, unter dem Motto „Berufen zu einer Hoffnung in Christus“. Erstmals soll vor der Vollversammlung auch eine eigene Versammlung für Jugenddelegierte organisiert werden. Anders als bei der Dritten Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt will die KEK die Partizipation jugendlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch bei ihrer Vollversammlung ermöglichen, bekräftigten die Mitglieder des Zentralausschusses bei ihrer Tagung in Wien.

 

Gegen den Widerstand des Moskauer Patriarchats beschloss der Zentralausschuss die Aufnahme der eigenständigen orthodoxen Kirche von Estland („Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche“), die sich unter die Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel gestellt hat, in die KEK. Wie der Metropolit von Austria und Exarch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. für Mitteleuropa, Erzbischof Michael Staikos, bestätigte, wurde der Standpunkt Konstantinopels von einer großen Mehrheit im Zentralausschuss unterstützt.

 

Vor den Delegierten des Zentralausschusses sprach auch der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und designierte lutherische Bischof, Dr. Michael Bünker. Am Donnerstag wurden die TagungsteilnehmerInnen im Wiener Rathaus empfangen, Freitagabend stand eine Begegnung mit Mitgliedern des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) auf dem Programm.

 

In der 1959 gegründeten KEK sind 126 protestantische, orthodoxe, anglikanische und altkatholische Kirchen zusammengeschlossen.

ISSN 2222-2464