Asyl: Weiland kritisiert „unerträgliche“ Situation

Brief an Landeshauptmann Pröll: Lage ist „menschliche Katastrophe“ – Mahnwache vor dem Innenministerium

Wien, 18. Dezember 2003 (epd Ö) Als „unerträglich“ und als „menschliche Katastrophe“ hat der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland die Lage der Flüchtlinge und Asylwerber kritisiert. Weiland appelliert an den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll, seinen Einfluss geltend zu machen, um die „nach menschlichen und christlichen Grundsätzen“ nicht vertretbare Situation zu ändern und sich entsprechend seiner christlichen Grundhaltung für eine menschliche Lösung einzusetzen.

Die dramatische Lage habe Dimensionen erreicht, „die von den Hilfsorganisationen nicht mehr handhabbar sind, trotz großer Unterstützungen etwa seitens katholischer Pfarren und evangelischer Pfarrgemeinden, die immer wieder Gemeinderäume aufsperren, um Menschen wenigstens ein Dach über dem Kopf zu geben“,schreibt Weiland in dem Brief an Pröll. Täglich würden allein in Traiskirchen mindestens 20 Menschen auf die Straße gesetzt, darunter auch Frauen und Kinder. „Es kann sein, dass in den nächsten Tagen Menschen bei uns in Österreich erfrieren“, zitiert Weiland den Leiter der evangelischen Beratungsstelle in Traiskirchen, Mag. Christoph Riedl. Die Lösung könne in der derzeitigen Situation nur eine gesamtösterreichische sein mit dem Ziel, dass alle Menschen, die ein offenes Asylverfahren haben, versorgt werden, fordert der niederösterreichische Superintendent, der auch am Freitagabend an der Mahnwache der Hilfsorganisationen vor dem Innenministerium teilnehmen wird.

Mit der Mahnwache von SOS Mitmensch, der sich am Mittwoch auch die Diakonie angeschlossen hat, wollen die Hilfsorganisationen auf die Notlage jener Flüchtlinge hinweisen, die seit 1. Dezember aus der Bundesbetreuung des Innenministeriums entlassen und damit obdachlos geworden sind. Heute, Donnerstag Abend, wird der Wiener Superintendent Hansjörg Lein an der Mahnwache teilnehmen.

In einem Brief an die niederösterreichischen evangelischen Pfarrgemeinden hat Weiland dazu aufgerufen, an den Mahnwachen teilzunehmen, um so „den Protest zu unterstreichen“. Ausdrücklich dankt Weiland den vielen Pfarrgemeinden, die sich auch in den letzten Wochen für Menschen auf der Flucht eingesetzt haben.

ISSN 2222-2464