Arnold: „Musik ist ein Geschenk des Himmels“

„Musik berührt uns am unmittelbarsten", meinte Jochen Arnold vor den evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern bei ihrer gesamtösterreichischen Tagung in Schlierbach. Foto: epd/Fleischner-Janits
„Musik berührt uns am unmittelbarsten“, meinte Jochen Arnold vor den evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern bei ihrer gesamtösterreichischen Tagung in Schlierbach. Foto: epd/Fleischner-Janits

Theologe und Kirchenmusiker über den hohen Stellenwert der Musik


Schlierbach (epdÖ) – „Gottesklänge – Überlegungen zu einer Theologie der Musik“ – unter diesem Titel stand das Hauptreferat der diesjährigen ge-samtösterreichischen PfarrerInnentagung im oberösterreichischen Schlierbach. Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters Hildesheim – Zentrum für Gottesdienst und Kirchen-musik sowie Liturgiebeauftragter der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GE-KE), sprach am 30. August über die positiven Auswirkungen von Singen und Musizieren bei Menschen sowie über die religiöse Bedeutung von Musik und Kirchenmusik.

„Musik ist ein Geschenk des Himmels und eine freie, schöne Kunst des Menschen“, betonte der Theologe und Kirchenmusiker Arnold vor den Pfarrerinnen und Pfarrern der evangelisch-lutherischen, der evangelisch-reformierten und der evangelisch-methodistischen Kirche. „Beim Musizieren erleben wir uns in Beziehung. Zur Natur, zu anderen Menschen, zu uns selbst und zu Gott.“ Darüber hinaus würde Musik die Identität stärken, das Zusammensein von Menschen fördern und letztlich Menschen glücklich und intelligent machen. „Musik berührt uns am unmittelbarsten, sie ruft beim Menschen am leichtesten Lust und Ekstase hervor.“

In seinem Vortrag erinnerte Arnold an Martin Luther, der der Musik und der Kirchenmusik hohe Bedeutung zugemessen hat. „Bei Luther begegnen sich Theologie und Musik auf Augenhöhe“, so Arnold. Gott für seine Taten zu loben gehöre zum christlich-jüdischen Erbe. Bereits im Alten Testament würde an mehreren Stellen von Musik und Musizieren berichtet, etwa bei der Prophetin Mirjam. Im Neuen Testament gäbe es besonders im Kolosserbrief eindeutige Stellen, die als „Einsetzungsworte der Kirchenmusik“ verstanden werden können. Arnold betont: „Die frohe Botschaft, dass der liebende Gott sich uns in Christus zuwendet, kann musikalisch kommuniziert werden.“ Insofern komme der Kirchenmusik auch verkündigende Funktion zu, sie lädt zum Glauben ein und könne einen Raum für einen lebendigen Dialog mit Gott eröffnen. „Die Ausdrucksform reichen von der Klage bis zum Lob. Das Lied der Hoffnung ist ein Markenzeichen von Kirche im 21. Jahrhundert“, so Arnold.

Letztlich habe Kirchenmusik immer auch eine missionarische Funktion. Es gäbe ein integratives Potential geistlicher Musik, das eine milieuübergreifende Funktion hat, ist Arnold überzeugt. „Geistliche Musik bleibt nicht in Kirchenmauern stecken. Sie stiftet Gemeinschaft und begleitet uns an Lebensübergängen. Sie baut Brücken in die Gesellschaft und provoziert die Öffentlichkeit. Sie erinnert an Gewalt und Verbrechen der Geschichte. Sie versetzt in Hochstimmung und öffnet Türen zu unterschiedlichen Menschen.“

Landeskantor Matthias Krampe ermutigte dazu, Pfarrgemeinden als Orte der Musik zu verstehen und forderte dazu auf, offen für Neues zu sein. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass Musik Bildung und Qualität brauche. Bei Musik in der Gemeinde gehe es dar-um, dass die Gottesdienstbesucher „weg vom passiven Konsum, hin zum aktiven Tun“ gelangen.
Noch bis zum 1. September treffen sich evangelisch-lutherische, evangelisch-reformierte und evangelisch-methodistische Pfarrerinnen und Pfarrer im oberösterreichischen Schlierbach, um sich dem Thema „Musik und Glaube“ in Referaten, Workshops und gemeinsamem Musizieren und Singen zu nähern.

ISSN 2222-2464