Armutskonferenz: Situation Armutsbetroffener verschärft sich

Armutsstatistik erfasst Realitäten unzureichend

Graz (epd Ö) – Dass sich die Situation Armutsbetroffener zunehmend verschärft, machten VertreterInnen von Erwerbsarbeitsloseninitiativen, Straßenzeitungen, AlleinerzieherInnen-Plattformen, Selbsthilfegruppen von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen und MigrantInnenorganisationen auf einer ersten österreichischen Anti-Armuts-Demonstration von Betroffenen am Wochenende in Graz deutlich.

 

Die Kundgebung fand im Rahmen des von der Armutskonferenz organisierten dritten österreichischen Treffens von Menschen mit Armutserfahrungen (23. bis 25.11.,Graz) statt, zu dem gut 50 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich gekommen waren, um aktuelle Entwicklungen zu analysieren und Strategien zur Umsetzung effektiverer Armutsbekämpfungsmaßnahmen aus Sicht der Betroffenen zu entwickeln.

 

Der geplanten Grundsicherung stehen sie mit großer Skepsis gegenüber. „Wir erwarten keine Verbesserungen, vor allem wenn Miet- und andere -beihilfen gestrichen werden, könnte es für viele sogar zu Verschlechterungen kommen“, sind sich die Betroffenen einig.

 

Steigende Lebenshaltungskosten, vor allem die Teuerungen von Grundnahrungsmitteln und Heizkosten schlagen sich stark auf die schmalen Budgets von Menschen, die in Armut leben, nieder. Armutsstatistiken, die vornehmlich Einkommenslagen erheben, erfassen die Realitäten von Betroffenen nur unzureichend, kritisiert die Armutskonferenz. Auch wer knapp über der statistischen Armutsgrenze lebt, habe oft nicht genug Geld zum Heizen, für den Schikurs der Kinder oder einen dringend notwendigen Fortbildungskurs. „Für Armutsbetroffene, die mit einem Einkommen weiter unter der Armutsgrenze auskommen müssten, seien oft bereits Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel und Ausgaben für Grundnahrungsmittel kaum mehr leistbar.

 

Armut könne jede/n treffen. Neben einem existenzsichernden Mindesteinkommen, besserem Zugang zu qualitätvollen sozialen Dienstleistungen und Gütern und einer Arbeitsmarktpolitik, die adäquate Löhne und berufliche Perspektiven sichert, fordern Betroffene mehr Mitbestimmung und Mitsprachemöglichkeiten. „Sogar von Seiten der EU-Kommission wurde bereits erkannt, dass geeignete Maßnahmen zur Armutsbekämpfung nur unter Partizipation Betroffener entwickelt werden können“, erklärt eine Teilnehmerin. „Wir fordern mehr Respekt für unsere Situation und unsere Expertise, mehr Ressourcen zur Selbstorganisation und verstärkte Möglichkeiten der Mitbestimmung.“ Ihre Anliegen und Forderungen werden die Betroffenen per Brief auch direkt an Sozialminister Buchinger übermitteln, der die ursprünglich versprochene persönliche Teilnahme am Treffen in Graz aufgrund eines anderen Termins absagen musste.

ISSN 2222-2464