Anton Pelinka: „Nationalstaatliches Denken ist überholt“

Politischer Donnerstag bei der Evangelischen Woche

Wien (epd Ö) – Ist Europas Politik in der Krise? Um diese Frage ging es am Donnerstagabend bei der Evangelischen Woche. Sie läuft noch bis 13. März und steht unter dem Motto „Wenn alle Stricke reißen – Handlungsfähigkeit in der Krise“.

Der Politologe und Professor für Political Science an der Zentraleuropäischen Universität in Budapest Anton Pelinka ortet europaweit eine politische „Zahnlosigkeit“. Besonders gegen die ökonomische Globalisierung habe die traditionelle Politik keine geeigneten Mittel mehr zur Verfügung, meinte Pelinka, der zum Thema „Politik in der Krise – Europa und Europäische Politik als Antwort?“ sprach.

Pelinka plädierte für einen geschlossenen europäischen Staat. Das Denken in nationalstaatlichen Kategorien sei überholt, zudem sei es nicht mehr zielführend, wolle man gegen wachsende Armut und globalisierte Ökonomie ein Gegengewicht errichten. Nationale Potentiale müssten zu europäischen Potentialen gebündelt werden. So könne man eine Phase der Repolitisierung einleiten und auch die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Möglichkeit der Politik in einer globalisierten Welt verkleinern.

Wenn sich alle Sparten der Gesellschaft globalisieren und zu riesigen transnationalen Einheiten werden, an denen ein Mensch aus China genauso teilnehmen kann wie ein Europäer oder ein Südamerikaner, müsse auch die Politik auf größeren Ebenen agieren um überhaupt konkurrenzfähig zu sein und sich so ihre Berechtigung als wichtiger Teil der Gesellschaft zu erhalten, meinte der Politologe.

ISSN 2222-2464