„Allianz für den freien Sonntag“ vorgestellt

Kirchen, ÖGB, Arbeiterkammer und Wirtschaftsforum für Sonntag – Weiland: Leben erschöpft sich nicht im Alltäglichen

Wien, 3. Oktober 2001 (epd Ö) Der Sonntag soll Sonntag bleiben, so die Forderung der „Allianz für den freien Sonntag“ in ihrer Pressekonferenz am Dienstag. Bischof Maximilian Aichern (Römisch-katholische Kirche), Superintendent Paul Weiland (Evangelische Kirche A.B.), ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, AK-Präsident Herbert Tumpel, sowie Helmut Schönthaler, Vorstand im Wirtschaftsforum der Führungskräfte Österreichs, stellten sich gemeinsam gegen die Aushöhlung des freien Sonntags. Der offizielle Startschuss erfolgte am Mittwochvormittag im Salzburger Bildungshaus St. Virgil.

Die religiöse Bedeutung des Sonntags hob Superintendent Weiland in seinem Statement hervor. Leben erschöpfe sich nicht im Alltäglichen, der Sonntag sei kein „Relikt alter Zeiten“, sondern biete auch nicht religiös gebundenen Menschen die Chance, über das Ziel des Lebens nachzudenken und mit Transzendentem in Berührung zu kommen. „Die Befürworter des Sonntags als Werktag gehen von der falschen Annahme aus, dass die Mehrheit der Bevölkerung nichts mehr mit dem Sonntag anzufangen weiß und an diesem Tag einkaufen oder gar arbeiten will“, sagte Weiland und appellierte an alle Kirchen Österreichs, die Bedeutung des Sonntags noch stärker hervorzuheben.

Aichern: Dass das Leben menschlich bleibt

Der arbeitsfreie Sonntag ist ein „wichtiges kulturelles Gut, das nicht zur Disposition gestellt werden darf“, unterstrich der Linzer Bischof Maximilian Aichern. Der Sonntag habe religiöse und gesamtgesellschaftliche Bedeutung, so der in der Bischofskonferenz für Sozialfragen zuständige Aichern. Das Ruhen der Arbeit an diesem Tag trage dazu bei, „dass das Leben menschlich bleibt“. Ausnahmen bei der Sonntagsruhe müssten „öffentlich diskutiert und klar umschrieben“ sein. Einer weiteren „Aushöhlung“ des arbeitsfreien Sonntags müsse möglichst breiter Widerstand entgegengesetzt werden, forderte der Linzer Bischof.

„Wollen wir eine Zukunft, wo der Sonntag ein normaler Arbeitstag wird? Wo es keine Zeit mehr gibt für den Kirchgang oder den Besuch am Fußballplatz, für den Partner, die Kinder oder Freunde?“, fragte ÖGB-Präsident Verzetnitsch. Diese Allianz sei, so Verzetnitsch, ein deutlicher Appell, dass „sieben Tage und 24 Stunden“ nicht das Maß aller Dinge seien. Jene Bereiche, wo es auch Arbeit am Sonntag geben müsse, sollten genau geprüft, diskutiert und geregelt werden.

Gegen Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft

„Ich will gar keine Mitarbeiter, die jeden Tag arbeiten. Die werden ausgelaugt, verlieren ihre Kreativität“, stellte der Vorstand der Führungskräfte im Wirtschaftsforum, Schönthaler, fest. Es gehöre heute bereits in Managerkreisen zum guten Ton, auch am Sonntag zu arbeiten. Schönthaler appellierte an diese Manager als Vorbilder, das Arbeiten am Sonntag nicht mehr zum guten Ton gehören zu lassen. Auch Arbeiterkammer-Präsident Tumpel sprach sich deutlich gegen eine „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“ aus. Tumpel kritisierte die Pläne von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, die Arbeitnehmer selbst entscheiden zu lassen, ob sie am Sonntag arbeiten wollen. Auf Grund des angespannten Arbeitsmarktes würde das eine Drucksituation für die Arbeitnehmer bedeuten, der sie sich nur schwer widersetzen könnten.

Die „Allianz für den freien Sonntag“ Österreichs geht auf die Hauptversammlung des „Dialogs für Österreich“ 1998 in Salzburg zurück. Damals haben sich Delegierte aus allen Bereichen der Katholischen Kirche für die Förderung der Anliegen der Allianz für den Sonntag ausgesprochen.

ISSN 2222-2464