Abschied von Frère Roger

Trauergottesdienst vereinte die christlichen Kirchen

Taizé (epd Ö) In einer bewegenden Zeremonie haben 10 000 Menschen aus aller Welt am Dienstag in Burgund Abschied von dem vor einer Woche getöteten Taizé-Gründer Frère Roger genommen. Der Trauergottesdienst vereinte die christlichen Kirchen: An der Messe nahmen nicht nur zehntausend, vor allem junge Trauernde aus aller Welt teil. Auch offizielle Vertreter der katholischen, orthodoxen, lutherischen und anglikanischen Kirche erwiesen Frère Roger die letzte Ehre. Auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler war nach Burgund gekommen.

„Ich bin hierher gekommen, um mitzutrauern, weil der Tod von Frère Roger große Bestürzung ausgelöst hat“, sagte Köhler vor der Zeremonie in Taizé. „Ich bin aber auch gekommen, um die Gemeinschaft von Taizé in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, denn sie baut Grenzen ab zwischen den Menschen, und das brauchen wir in der heutigen Welt.“

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nahm der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber an der Beisetzung des Protestanten Roger teil, der eine lange und enge Beziehung zu Deutschland hatte und auch einen deutschen Nachfolger auswählte.

In einer Atmosphäre tiefster Andacht leitete Kardinal Walter Kasper, Vertreter des Vatikan, die mehrsprachige Zeremonie. Er würdigte Frère Roger, „der mit seiner Gegenwart, seinem Wort und seinem Beispiel einen Strahl der Liebe und der Hoffnung verbreitet hat, weit über die Grenzen und Spaltungen dieser Welt hinaus“.

Weil die schlicht mit Blumen und religiösen Bildnissen geschmückte Versöhnungs-Kirche nicht alle angereisten Trauernden und Gläubigen fassen konnte, war unterhalb des überfüllten Gotteshauses eine Großleinwand aufgestellt worden. 90 Frères hatten in den Reihen Platz genommen, als fünf Mitglieder der Gemeinschaft den einfachen Sarg aus hellem Holz in die Kirche trugen. Fernsehanstalten aus sieben Ländern übertrugen die Trauerfeier. Roger sollte nach der Feier auf dem kleinen Friedhof von Taizé beigesetzt werden. Sein Nachfolger ist der deutsche Bruder Alois (51), der das Werk des Gründers der ökumenischen Gemeinschaft fortsetzt. Ihn hatte Frère Roger bereits vor acht Jahren zum neuen Prior bestimmt. Der mutmaßlichen Täterin droht eine lebenslange Haftstrafe. „Vater, verzeih ihr“, sagte Alois.

Er will die Mission seines Mentors und Lehrers nun fortführen. Ihn habe immer fasziniert, „dass die Versöhnung zwischen den Christen kein Traum ist, sondern dass wir ihn leben können“, sagte er vor einigen Tagen. Während des Trauergottesdienstes zeigte er sich überzeugt, dass Roger den richtigen Weg eingeschlagen hat: „Gutherzigkeit ist nicht ein leeres Wort, sondern eine Macht, die die Welt verändern kann.“

ISSN 2222-2464