8. Dezember: NÖ-Superintendent für Leitl-Vorschlag

Weiland: Tausch gegen den Karfreitag „theologisch sinnvoll, ökumenisch ein Fortschritt und wirtschaftlich vorteilhaft“

St. Pölten, 11. September 2002 (epd Ö) Für den Vorschlag des Wirtschafts-

kammerpräsidenten Christoph Leitl, den 8. Dezember als arbeitsfreien staatlichen Feiertag gegen den Karfreitag einzutauschen, hat sich nun der niederösterreichische Superintendent, Mag. Paul Weiland, ausgesprochen. In einem Beitrag für die neue Ausgabe der diözesanen Zeitschrift „superNews“ schreibt Weiland, die Idee des Wirtschaftskammerpräsidenten sei „theologisch sinnvoll, ökumenisch ein Fortschritt und wirtschaftlich vorteilhaft“. „Mag sein, dass wirtschaftliche Überlegungen ausschlaggebend waren für die Initiative, aber was spricht dagegen, wenn ökonomische und ökumenische Interessen einander berühren und sich gegenseitig stärken?“, fragt der Superintendent.

Für die römisch-katholische Kirche wäre eine Zustimmung die Chance, eine im Denken ihrer redlichen Theologen längst vollzogene Änderung zeichenhaft sichtbar zu machen. Der Karfreitag stehe unumstritten für alle christlichen Kirchen im Zentrum ihres Glaubens, weil es ohne den Karfreitag auch den Ostersonntag nicht gebe. Seine Anerkennung als staatlicher Feiertag wäre eine „ökumenische Chance“ und eine konkrete Auswirkung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirche unterzeichnet haben.

Identität hängt nicht von Feiertag ab

Der 8. Dezember könne, so Weilands Vorschlag, weiterhin römisch-katholischer Feiertag bleiben, wie das etwa auch innerhalb der evangelischen Kirchen mit dem Reformationstag (31. Oktober) der Fall sei. Weiland wörtlich: „Die Identität einer Kirche hängt ja wohl nicht davon ab, ob eine ihrer Lehren, Grundhaltungen oder sonstigen wichtigen Anliegen als staatlicher Feiertag anerkannt ist oder nicht, wenngleich eine Übereinstimmung ohne Zweifel viele Vorteile hat.“

Die Entscheidung darüber sei in erster Linie Angelegenheit der römisch-katholischen Kirche. Anders sehe es freilich mit Marien-Aussagen aus, in denen Maria als „Schutzfrau Österreichs“ bezeichnet werde, wie etwa nach der Hochwasser-Katastrophe im August.

Weiland verwehrt sich gegen ein „Überstülpen der eigenen Ansichten über alle anderen“, dies sei „nicht nur unökumenisch, sondern auch ärgerlich und verletzend“. Wörtlich schreibt der Superintendent: „In meinem Österreich ist jedenfalls nicht Maria die Schutzfrau, denn auch die Menschen Österreichs stehen unter dem Schutz und Segen des dreieinigen Gottes. Wenn jemandem zu danken ist für die Bewahrung, dann Gott.“

ISSN 2222-2464