Wien: Hakenkreuz auf Holocaust-Gedenktafel

"Das ist eine große Schweinerei", sagt Pfarrerin Ursula Arnold.Das NS-Symbol und der NS-Gruß wurden in die Holocaust-Gedenktafel der evangelischen Kirche in Leopoldstadt geritzt. Foto: Ev. Diözese Wien/Schomaker
"Das ist eine große Schweinerei", sagt Pfarrerin Ursula Arnold.Das NS-Symbol und der NS-Gruß wurden in die Holocaust-Gedenktafel der evangelischen Kirche in Leopoldstadt geritzt. Foto: Ev. Diözese Wien/Schomaker

Pfarrerin Arnold: „Wollen nicht wegsehen wie vor 75 Jahren“ – Evangelische Kirche erstattet Anzeige

Wien (epdÖ) – Ein Hakenkreuz aus vielen Strichen im Messing eingeritzt, dahinter „Hitler“, davor in dünnen Linien „Heil“. „Das ist eine große Schweinerei“, sagt Pfarrerin Ursula Arnold. „Das ist eine Schändung.“ Das NS-Symbol und der NS-Gruß sind auf eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer des NS-Regimes gekratzt worden, die an der evangelischen Verklärungskirche im zweiten Wiener Gemeindebezirk hängt. Der Bezirk hat traditionell einen hohen Anteil jüdischer Bevölkerung. Die Pfarrgemeinde hatte die Tafel gemeinsam mit dem Verein „Steine der Erinnerung“ 2009 am Eingang der Kirche angebracht. Am vergangenen Samstag, 9. November, dem 75. Gedenktag der „Reichspogromnacht“, entdeckten Pfarrer Willi Thaler und Pfarrerin Arnold mit Konfirmanden „die Schweinerei“. In den Tagen kurz zuvor müsse jemand die menschenfeindliche Botschaft dort eingeritzt haben, vermutet Arnold laut einer Aussendung. Eine Anzeige gegen unbekannt hat die Pfarrgemeinde bereits erstattet, heißt es in einer Presseaussendung der Superintendentur.

„Wir wollen nicht wieder wegsehen wie vor 75 Jahren – wir prangern die Tat an“, so Pfarrerin Arnold. Seit insgesamt 16 Jahren ist sie Seelsorgerin in der evangelischen Pfarrgemeinde in Leopoldstadt und Brigittenau. Sie kennt den Wiener Bezirk und sieht, wie sich die Dinge ändern, wie das jüdische Leben zurückkehrt – und die Vorurteile wieder zunehmen. „Schon im Kleinen fängt der Antisemitismus an – und auch im Kleinen dulden wir ihn nicht“, unterstützt Superintendent Hansjörg Lein die Pfarrgemeinde. „Wir beraten jetzt mit dem Verein ‚Steine der Erinnerung‘ und in der Gemeindevertreter-Versammlung, wie wir weiter verfahren“, kündigt Pfarrerin Arnold an. Eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Naziregimes, die auch Teil des „Weges der Erinnerung durch die Leopoldstadt“ ist, solle es in jedem Fall weiterhin geben.

ISSN 2222-2464