Weltautismustag lässt Gebäude blau erstrahlen

Das Rathaus in Linz wird blau beleuchtet. Mit dieser Aktion will ein breites Bündnis auf das Thema Autismus aufmerksam machen. (Foto: Diakoniewerk Oberösterreich)
Das Rathaus in Linz wird blau beleuchtet. Mit dieser Aktion will ein breites Bündnis auf das Thema Autismus aufmerksam machen. (Foto: Diakoniewerk Oberösterreich)

„Light it up blue“-Kampagne will auf das Thema Autismus aufmerksam machen

Linz (epdÖ) – In der Nacht von 1. auf 2. April werden weltweit Gebäude blau beleuchtet, um auf die Entwicklungsstörung Autismus aufmerksam zu machen. Neben der Oper in Sydney und dem Empire State Building in New York werden auch in Oberösterreich bekannte Gebäude wie etwa das Musiktheater und das Rathaus in Linz sowie Schloss Ort in Gmunden blau beleuchtet. Ziel ist es, auf die mit Autismus verbundenen Herausforderungen, aber auch auf die Potenziale für die Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Initiiert wird die Aktion von der Autistenhilfe Oberösterreich, Asperger Oberösterreich, dem Autismuskompetenzzentrum der Barmherzigen Brüder, dem Diakoniewerk Oberösterreich, dem Diakonie Zentrum Spattstraße sowie der Caritas. Dieser Tag soll weltweit Bewusstsein schaffen, dass die tiefgreifende Entwicklungsstörung zwar weit verbreitet, aber wenig bekannt ist. So wird Autismus häufig nicht oder zu spät erkannt. Dementsprechend hoch ist die Dunkelziffer: Einer von 68 Menschen soll laut Experten betroffen sein. In Oberösterreich leben 14.000 Betroffene, oft ohne oder mit falscher Diagnose. „Die Auswirkungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen sind teilweise dramatisch, sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt“, warnt der Mediziner Johannes Fellinger, Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie amKonventhospital Barmherzige Brüder Linz.

Autismus steht für eine Gruppe komplexer Einschränkungen der Gehirnentwicklung und tritt bei Buben ungefähr vier- bis fünfmal so häufig auf wie bei Mädchen. „Menschen mit Autismus nehmen anders wahr und verhalten sich daher auch anders. Das bedeutet, dass sie oft unerwartet, nicht einschätzbar und für die Umwelt oft unverständlich reagieren. Weitere Merkmale sind sich wiederholende Verhaltensmuster bzw. ganz spezielle Interessen“, erklärt Elisabeth Laggner, Leiterin im Therapiezentrum des Diakoniewerks.
Die Autismusmerkmale (z.B. Einschränkung in der sozialen Kontaktaufnahme oder Einschränkung auf bestimmte Spezialinteressen) können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Autismus kann mit normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz (ca. 40 Prozent der Betroffenen) und Sprachentwicklung einhergehen, wie das beim Aspergersyndrom der Fall ist, oder aber mit schon früh beobachtbaren Problemen im Spracherwerb auftreten (frühkindlicher Autismus). Ungefähr 25 Prozent erwerben keine Sprache, lernen sich aber über andere Kommunikationswege auszudrücken. Autismus tritt gehäuft mit intellektuellen Beeinträchtigungen auf, mit motorischen Koordinationsschwierigkeiten und Gesundheitsproblemen wie Schlaf- oder Verdauungsproblemen. Auch psychische Erkrankungen (Depressionen, Ängste oder Aufmerksamkeitsprobleme) und neurologische Erkrankungen (Epilepsie bei bis zu einem Drittel der Betroffenen) können auftreten. Einige Menschen mit Autismus haben herausragende visuelle, musikalische, mathematische oder künstlerische Fähigkeiten (Aspergersyndrom).

Dringend notwendig seien die Qualifizierung von Fachkräften und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für Menschen mit Autismus, heißt es in einer Aussendung des Diakoniewerks Gallneukirchen. In der frühen Begleitung seien die Vermittlung sozialer Kompetenz im Umgang mit Gleichaltrigen sowie Selbständigkeit wichtig. Die Schaffung von integrativ geführten Modellkindergärten mit besonderer Ausrichtung auf die Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen von Kindern mit Autismus sei hier notwendig. In den Schulen werden neue Konzepte und Modelle multidisziplinärer spezialisierter Zusammenarbeit (Lehrer, Sonderpädagogik, Sozialarbeit, Therapeuten, Autismusfachleute etc.) unter enger Einbindung der Familien benötigt. Zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt bedarf es einer Ausweitung der Schulungs- und Begleitmaßnahmen. Zudem sei es notwendig, Nischen für Menschen mit Autismus zu erkennen oder zu schaffen, in denen sie produktive und erfüllende Arbeit leisten können.

Am Weltautismustagsoll mit der „Light itupblue“-Kampagne auf das Thema Autismus aufmerksam gemacht und die Wahrnehmung in der Gesellschaft geschärft werden. Ziel ist es, das Verständnis für die Betroffenen und deren Angehörige zu erhöhen sowie entsprechende Unterstützung einzufordern.

Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie hier.

ISSN 2222-2464