Tirol: Kirchen und Land danken Superintendentin Müller

In einem Festgottesdienst in der Innsbrucker Christuskirche ist Superintendentin Luise Müller durch Bischof Michael Bünker von ihrem Leitungsamt entpflichtet worden. Foto: epd/Dasek
In einem Festgottesdienst in der Innsbrucker Christuskirche ist Superintendentin Luise Müller durch Bischof Michael Bünker von ihrem Leitungsamt entpflichtet worden. Foto: epd/Dasek

Bischof Bünker: „Verbindende Helferin zwischen Leidenschaft und Demut“ – Bischof Scheuer: „Hat das sympathische Gesicht der Evangelischen Kirche aufleuchten lassen“

Innsbruck (epdÖ) In einem Festgottesdienst in der Innsbrucker Christuskirche ist die Superintendentin der Diözese Salzburg-Tirol, Luise Müller, am Freitag, 29. Juni, durch Bischof Michael Bünker von ihrem Leitungsamt entpflichtet worden. Nach 17 Jahren an der Spitze der Diözese tritt Müller mit 31. August in den Ruhestand.

Beim Festgottesdienst charakterisierte der Bischof die scheidende Superintendentin als „verbindende Helferin“ zwischen den unterschiedlichen Gemeinden, zwischen PfarrerInnen und Ehrenamtlichen und in „guter Nachbarschaft“ zu anderen Kirchen. „Du hast fünf Bischöfe und fünf Landeshauptleute erlebt“, meinte Bünker schmunzelnd, „dich an wichtigen Veränderungsprojekten beteiligt und unsere Kirche auf Weltebene vertreten“. Die Superintendentin habe sich dabei immer „zwischen Leidenschaft und Demut“ bewegt und stehe für eine „offene und öffentliche Kirche, die klar Partei nimmt für die Schwachen“.

Müller selbst sprach in ihrer Predigt von einem „leidenschaftlichen Gott, mit dem ich Zeit meines Lebens gute Erfahrungen gemacht habe“. „Da ist einer der mich liebt, grundsätzlich, vor allem anderen und trotz allem anderen.“ Diesen Gott, „dem die Lebensbedingungen der Menschen nicht egal sind und der die Schöpfung nicht verkommen lassen will“, habe sie immer wieder in neuen Facetten kennengelernt. Er habe sie gelehrt, „nicht nur ihn, sondern die Menschen zu lieben“. „Gott hält uns alle für seiner Liebe wert, er holt uns aus der Tiefe, blickt uns an und es wird hell“, sagte Müller weiter. Gott sei „kein Sklaventreiber, keiner der ständig zuflüstert: ‚Du musst, du sollst'“. Daraus entstehe „Gelassenheit beim Scheitern und Dankbarkeit für das, was möglich war“.

Zu dem Festgottesdienst, den Mitglieder des Superintendentialausschusses gestalteten, konnte Superintendentialkurator Eckart Fussenegger zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Tiroler Pfarrgemeinden begrüßen. Gekommen waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertreterinnen und Vertreter der gesamtösterreichischen und anderer diözesaner Kirchenleitungen sowie Repräsentanten der Ökumene und des öffentlichen Lebens. Unter den Festgästen befand sich neben Müllers Nachfolger Olivier Dantine auch ihre Familie, Ehemann Karlheinz, Pfarrer in Kufstein, die Kinder und Schwiegerkinder und die drei kleinen Enkelkinder, die nun – wie Müller wissen ließ – verstärkt ihr Leben bestimmen werden.

Im Namen des Landes Tirol dankte Landeshauptmann Günther Platter der Superintendentin und würdigte sie als „engagierte Frau“, die sich stark in der Ökumene und im interreligiösen Dialog eingebracht habe. Müller habe Gemeinsames betont statt Defizite zu suchen und mit ihrem ausgeprägten diakonischen Schwerpunkt Hilfe für Menschen am Rand geleistet.

Für die „wertvolle Arbeit und den immensen Einsatz“ dankte die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Müllers Wirken sei spürbar gewesen, „in unserer Stadt und weit über die Grenzen der Evangelischen Kirche hinaus“. Landtagspräsident Herwig van Staa dankte für die „persönlichen Begegnungen durch 17 Jahre“ und für die „wahrhaftige Predigt, dass Sie gesagt haben, was Sie denken, und tun, was Sie sagen“.

Der römisch-katholische Diözesanbischof Manfred Scheuer betonte Müllers ökumenische Einstellung. Ökumene beinhalte immer auch eine „zutiefst diakonische und politische Dimension“. Müller habe diese ebenso vermittelt wie den „großen Reichtum des konfessionell geprägten Glaubenslebens im Hören und Lernen voneinander“. Sie habe „das sympathische Gesicht der Evangelischen Kirche aufleuchten lassen, selbstbewusst evangelisch, aber nie profilierend auf Kosten anderer“, so der römisch-katholische Bischof.

Nach Innsbruck gekommen waren auch fast alle Amtskollegen Müllers. Für das Miteinander dankte der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland, „weil du immer mit Leidenschaft dabei warst und dennoch sachlich analysieren konntest, weil du kritisch hinterfragst, aber nie kleinlich aufrechnest, und weil bei aller Arbeit auch das Lachen nicht zu kurz gekommen ist“. Die Glückwünsche der Serbisch-orthodoxen Kirche überbrachte Pfarrer Vidoslav Vujasin, von den schönen Seiten des Pensionistendaseins konnte hingegen Pfarrer in Ruhe Franz Zippenfennig erzählen. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Chor der Christuskirche und Lehrerinnen und Lehrer der Innsbrucker Johann Sebastian Bach Musikschule.

Luise Müller stand der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol seit dem 1. September 1995 vor. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit zählten Bildung, Ökumene sowie das diakonische Engagement für benachteiligte und verfolgte Menschen. Zu ihren bischöflichen Aufgaben als Superintendentin gehörten die Ordination von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie die Visitation von Pfarrgemeinden, die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen und die geistliche Leitung der Diözese. Seit 2005 befindet sich der Amtssitz der Superintendentur in Innsbruck.

Bereits am Dienstag, 26. Juni, verabschiedete sich Salzburg von der Superintendentin. Ihr Nachfolger an der Spitze der Diözese wurde bereits im November des Vorjahres gewählt: Der burgenländische Pfarrer Olivier Dantine übernimmt am 1. September das Leitungsamt.

ISSN 2222-2464