Sturm: Miteinander für Gerechtigkeit und Frieden

Gottesdienst zum 60. Geburtstag des evangelisch-lutherischen Bischofs

Wien, 4. September 2002 (epd Ö) „Wir Kirchen müssen die Botschaft von der Versöhnung untereinander bewähren, sonst sind wir nicht glaubwürdig.“ Das sagte der evangelisch-lutherische Bischof, Mag. Herwig Sturm, in einem Gottesdienst anlässlich seines 60. Geburtstags am Sonntagabend in der lutherischen Stadtkirche in Wien. In seiner Predigt appellierte der Bischof an die anderen Kirchen, gemeinsam das Gespräch mit anderen Religionen zu führen und miteinander für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzutreten.

Immer wichtiger, so der Bischof im Gottesdienst, der auch auf Ö1 live übertragen wurde, werde die öffentliche Dimension kirchlichen Handelns. Sturm: „Wir haben eine Mitverantwortung für die Prioritäten, allerdings auch für die Defizite in Wirtschaft und Bildung, im Sozialbereich und in der Politik.“ Demokratie räume dem Einzelnen und den gesellschaftlichen Gruppierungen einen großen Freiraum ein, brauche aber deren Beteiligung zu ihrem Funktionieren. „Unsere Erklärungen gegen ´Rassismus und Fremdenfeindlichkeit´, ´Zeit zur Umkehr´ für eine neue Beziehung zum Judentum und unser Eintreten für die Erweiterung der EU bleiben totes Papier, wenn sie nicht von Pfarrgemeinden, Bildungsveranstaltungen u.s.w. aufgegriffen, diskutiert und so öffentlich wirksam gemacht werden“, erklärte der Bischof in dem Gottesdienst, den er gemeinsam mit der Wiener Pfarrerin Dr. Ines Knoll gestaltete. Als Zentrum seiner Arbeit nannte Sturm das Bemühen, „die gute Nachricht vom Gott des Friedens, der heilt und befreit und dem die Zukunft gehört, in aller Öffentlichkeit zu verkünden“.

Beim anschließenden Empfang im Hof der Reformierten Stadtkirche dankte der Präsident der Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer, dem Bischof „für das, was Sie bewegt haben und bewegen werden“. In Anspielung auf die semantische Bedeutung des Vornamens würdigte MinR Dr. Karl Schwarz vom Kultusamt Herwig Sturm als „beherzten Kämpfer für die Anliegen unserer Kirche“. Schwarz unterstrich Sturms „unverkrampften Umgang mit dem Katholizismus“. Seit seinen frühen Kindheitsjahren im katholisch geprägten Lilienfeld habe es Sturm gelernt, „sich im katholischen Milieu zu bewegen“, mutmaßte Schwarz, der in seiner Laudatio Sturms biografische Stationen in Salzburg, Lienz, Klagenfurt, Villach und Wien nachzeichnete. Hilfreich war ihm dabei u.a. ein Gedicht der Kärntner Superintendentialkuratorin, Dr. Helga Duffek, das in 60 Strophen Sturms Lebensweg kommentiert. Schwarz betonte in seiner Rede Sturms Kontakte zur slowenischen Volksgruppe. Das Programm eines gemeinsamen Kärntens habe Sturm „auch und gerade als Angehöriger einer Minderheit“ entschieden mitgetragen und damit bis heute „Geistesgegenwart“ bewiesen.

Die Glückwünsche der Superintendentinnen und Superintendenten überbrachte der Wiener Superintendent Mag. Werner Horn. Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner und Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker überreichten Sturm einen Gutschein für eine Ballonfahrt, damit der Bischof „seinen Weitblick behalten“ könne. Das neue Heft der theologischen Fachzeitschrift „Amt und Gemeinde“, das dem Jubilar und Herausgeber gewidmet ist, präsentierte AO Univ.Prof. Dr. Robert Schelander und dankte in Vertretung des Dekans, Univ.Prof. Dr. Gottfried Adam, für die gute Zusammenarbeit der Kirchenleitung mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät.

Herwig Sturm ist seit 1996 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Von 1988 bis 1995 war Sturm Superintendent der evangelischen Diözese Kärnten/Osttirol.

ISSN 2222-2464