Sturm: Erneuerung und Einheit Europas wesentliche Aufgabe heute und in Zukunft

Auf dem Reformationsempfang zog der lutherische Bischof Sturm Bilanz über die kirchlichen Entwicklungen

Wien (epd Ö) – „Unsere Kirchen stehen ein für den offenen Diskurs in den wichtigen ethischen Fragen, gebunden an das Menschenbild der Bibel, also in Freiheit und Verantwortung vor dem Nächsten, vor der Zukunft und in allem vor Gott“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Ansprache beim Reformationsempfang am Montag, 30. Oktober, in der Wiener Akademie der Wissenschaften. Sturm: „Unsere Kirchen sehen die Erneuerung und Einheit Europas als wesentliche Aufgabe für ihr Handeln heute und in Zukunft: Sie wünschen sich Europa als Beispiel und Vorbild für die ökosoziale Marktwirtschaft und für den Rechtsstaat mit dem gegenwärtigen Standard der Menschenrechte.“ Das vielsprachige und multikulturelle Europa stehe für den Schutz des Individuums und seiner Rechte, für den Schutz der Schwächeren und Minderheiten jeder Art, für Religions- und Meinungsfreiheiten, betonte der Bischof.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr ging Sturm auf die Eröffnung des Evangelischen Gymnasiums in Wien ein: „Hier geschieht eine intensive theoretische und vor allem praktische diakonische Arbeit durch die zwei oberen Stockwerke, die dem betreuten Wohnen für ältere Menschen gewidmet sind.“ Im neuen Gymnasium werde das Zusammenleben von Jung und Alt, von hilfsbedürftigen und hilfsbereiten Menschen eingeübt: „Ein Zukunftsmodell für unsere Kirche und unsere Gesellschaft.“

Auch in der Entwicklung der Ökumene sieht Sturm „Schwerpunkte“ im vergangenen Jahr. Dazu zähle die Verlegung des Büros der Gemeinschaft Europäischer Kirchen Europas (GEKE) nach Wien und die Wahl von Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker zum Generalsekretär der GEKE im September. Im nächsten Jahr sei einer der Höhepunkte die 3. Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt. Unter dem Titel „Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ befänden sich die Christen Europas auf einem „Pilgerweg, der in Form verschiedener Veranstaltungen und Begegnungen stattfinden soll“.

„Ein Umdenken, eine Veränderung der Sichtweise“ ist das Ziel des heurigen Jahres der Kinderfreundlichen Kirche, so der Bischof. „Wir möchten die Kinder nicht als Objekte kirchlichen Handelns verstehen, sondern als Maßstab für das Reich Gottes.“ Die Kirche solle so gestaltet werden, dass auch aus der Perspektive eines Kindes „Glaube und Leben unserer Kirche einladend und verständlich sind“.

ISSN 2222-2464