Schröckenfuchs: „Mutige Kirche“ im Einsatz für Benachteiligte

Bischof Patrick Streiff (li.) führte den neuen methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs in sein Amt ein (Foto: Ken Fife / Stylish Shutter Portrait Studio)
Bischof Patrick Streiff (li.) führte den neuen methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs in sein Amt ein (Foto: Ken Fife / Stylish Shutter Portrait Studio)

Neuer methodistischer Superintendent in Wien in sein Amt eingeführt

Wien (epdÖ) – Für eine auf vielfältige Weise „mutige“ Kirche, die auch gegen den gesellschaftlichen Mainstream auftritt, hat sich der neue Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich, Stefan Schröckenfuchs, ausgesprochen. Bei einem Festgottesdienst in Wien-Fünfhaus wurde Schröckenfuchs am Sonntagabend, 18. September, durch den für Österreich zuständigen Bischof Patrick Streiff in sein Amt eingeführt. Er folgt auf Lothar Pöll, der in den letzten 15 Jahren an der Spitze der Methodistischen Kirche stand. So prägten den Gottesdienst, an dem auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Evangelischen Kirchen und der Ökumene teilnahmen, nicht nur die Glückwünsche an den neuen Superintendenten Schröckenfuchs, sondern auch der Dank an den scheidenden Superintendenten Pöll, der weiterhin als Pastor Aufgaben in seiner Kirche übernehmen wird.

Als Superintendent will Schröckenfuchs vor allem Menschen ermutigen und ermächtigen, „frei und eigenverantwortlich zu leben“ und gegen den gesellschaftlichen Strom zu schwimmen, auch wenn es „manchen lieber wäre, wenn Christinnen und Christen sich darauf beschränken, in ihren Kirchen zu sitzen, anstatt sich mit unbequemen Forderungen nach Solidarität und Gerechtigkeit oder dem Einsatz für Flüchtlinge und andere Benachteiligte einzumischen“. Gleichzeitig bedeute ermutigen auch, „Menschen mit dem liebenden Gott in Berührung“ zu bringen, um sich „mutig an seinem Liebeswerk in der Welt zu beteiligen“, so der Superintendent.

Mutig seien die methodistischen Gemeinden etwa im vergangenen Sommer gewesen, „als so viele Menschen ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht nach Österreich gekommen sind“. Schröckenfuchs erinnerte auch an mutige Menschen in der Geschichte der Methodistischen Kirche, etwa an John und Charles Wesley, die im 18. Jahrhundert eine „ungeheure soziale und religiöse Bewegung“ in England ins Leben gerufen hätten, aus der sich dann die Methodistische Kirche entwickelte. Bis heute sei diese Kirche „geprägt von dem Bestreben, die Gräben zwischen Armen und Reichen, Mächtigen und Ohnmächtigen, Freien und Gebundenen zu überwinden“, was sich etwa auch in der Tätigkeit des Diakonie-Zentrums Spattstraße in Linz äußere, das heute fast 700 MitarbeiterInnen umfasst.

In mehreren Grußworten wurde der scheidende Superintendent Lothar Pöll gewürdigt und dem neuen Superintendenten Schröckenfuchs die Fortsetzung der bisherigen intensiven Zusammenarbeit zwischen den Kirchen versichert. „Ökumene wurde gegen massive Widerstände errungen. Ökumene muss gegen Widerstände errungen werden, denn was ohne Widerstand gewachsen ist, ist keinem Widerstand gewachsen“, betonte etwa Ministerialrat Karl Schwarz vom Kultusamt. Die Religionsgemeinschaften begegneten einander in Österreich „auf Augenhöhe“, daran habe die Methodistische Kirche mit ihrem ökumenischen Engagement großen Anteil.

Der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche und Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Michael Bünker, erinnerte daran, dass die drei Evangelischen Kirchen – die Lutherische, die Reformierte und eben die Methodistische Kirche – seit langem auf einer „verlässlichen und zukunftsfähigen Grundlage“ eng verbunden seien und dies als „besonderen Dienst der Ökumene“ verstünden. Den bisherigen Superintendenten Lothar Pöll bezeichnete Bünker als „Meister des Wortes“, seinem Nachfolger gab er mit auf den Weg, dass „schöne Unregelmäßigkeit oft mehr Wert als Verharren in gewohnten Bahnen“ habe.

Stefan Schröckenfuchs (38) war bisher Pastor in der methodistischen Kirchengemeinde in Wien-Fünfhaus und wird diesen Dienst als Gemeindepastor auch weiterhin zusätzlich zu seinen Aufgaben als Superintendent ausüben. Der gebürtige Salzburger – er ist verheiratet und Vater von drei Kindern – lebt seit zehn Jahren in Wien.

In Österreich zählt die Evangelisch-methodistische Kirche 1500 Mitglieder in 9 Gemeinden, weltweit gibt es rund zwölf Millionen Methodisten. Die Kirche ist im ökumenischen Dialog engagiert und in Österreich seit 1951 staatlich anerkannt. Sie ist im 18. Jahrhundert aus der Anglikanischen Kirche hervorgegangen.

Das TV-Religionsmagazin „Orientierung“ hat den neuen Superintendenten porträtiert. Der Beitrag kann hier bis zum 24.9.2016 abgerufen werden.

ISSN 2222-2464