Sauer: Licht in schwierige Beziehungen bringen

Amtseinführung des neuen Superintendenten in Villach

Villach, 27. Jänner 2002 (epd Ö) Licht hineinzubringen in schwierige Beziehungen, in die wirtschaftlichen Entwicklungen und in den politischen Diskurs – dazu rief der neue Kärntner Superintendent Mag. Manfred Sauer bei seiner Amtseinführung am Sonntag, 27. Jänner, in Villach auf. Christinnen und Christen werde zugemutet, Salz der Erde zu sein und Licht der Welt. „Wir können und sollen erfinderisch sein, wenn es um den Nächsten geht, der unsere Hilfe braucht, wenn es um den Geringsten geht, der aus sich selbst heraus keine Kraft mehr hat“, sagte Sauer in seiner Predigt im Festgottesdienst, an dem zahlreiche Vertreter aus Kirche und Politik – darunter auch der Kärntner Landeshauptmann – teilnahmen.

Der neue Superintendent der evangelischen Diözese Kärnten/Osttirol warnte vor „übertriebenem Aktionismus“ im Rennen um mediale Aufmerksamkeit. „Wohin kommt eine Gesellschaft, in der permanent alle dem Druck ausgesetzt sind, Aufmerksamkeit zu bekommen und ständig zu punkten?“, fragte Sauer. Die Folge dieser „gefährlichen“ Entwicklung seien Burn-Out-Syndrome, Kurzschlussreaktionen, „riskante Übertreibungs- und Überholmanöver, um doch die Nase vorne zu haben“. Statt eines „brillanten Seiltänzers“, der „einen doppelten Salto nach vorne wagt“ und leicht die Balance verliert, will Sauer als Superintendent ein „guter Hirte sein, der sich kümmert, der Zeit hat, der zuhört“.

Vorgenommen wurde die Amtsführung vom lutherischen Bischof Mag. Herwig Sturm. In seiner Ansprache wünschte er dem neuen Superintendenten, dass er trotz der umfangreichen Leitungsaufgaben in seiner Familie spüren könne, „dass die Evangelische Kirche eine kinderfreundliche Kirche ist“. Leitung habe, so der Bischof, vor allem damit zu tun, „dass das Ziel, der Auftrag, der Herr unserer Kirche nicht aus den Augen verloren wird: Die Menschenfreundlichkeit Gottes in dieser Welt zu verkündigen, zeichenhaft in der Kirche zu leben und exemplarisch in dieser Welt zu verwirklichen.“

Haider: Erreichen die Kirchen das Volk?

„Ich wünsche mir, dass derartige Feste dazu beitragen, dass es in unserer Gesellschaft wärmer wird.“ Das sagte die Superintendentialkuratorin der Diözese Kärnten/Osttirol, Dr. Helga Duffek, bei ihrer Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste. Duffek bezog sich auf den Kärntner Landeshauptmann, Dr. Jörg Haider, der dies vor kurzem anlässlich der Verleihung eines Menschenrechtspreises ebenfalls gefordert habe.

Haider selbst erinnerte in seiner Grußansprache an die Zeit der Reformation als eine Zeit „revolutionärer Entwicklungen“. Der Kärntner Landeshauptmann verglich diese Epoche mit der Gegenwart, in der mit der Veränderung vieler Werte ebenfalls Herausforderungen auf die Christen zukommen. Die Kirchen müssten sich hier die Frage gefallen lassen, ob sie noch das Volk vertreten. Aufgabe der Kirchen sei es, in einer veränderten Lebenswelt den Menschen Geborgenheit zu vermitteln.

Haider dankte dem in den Ruhestand getretenen Superintendenten HR Mag. Joachim Rathke dafür, dass er in seiner Arbeit der Botschaft von der Liebe Gottes verpflichtet gewesen sei, und überreichte ihm den Landesorden in Silber des Landes Kärnten.

Bischof Schwarz: Sensible Zusammenarbeit in gegenseitiger Achtung

Die Erfahrung der Liebe Gottes wünschte Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz dem neuen Superintendenten. Der römisch-katholische Bischof sprach sich für eine „gute und sensible“ ökumenische Zusammenarbeit „in gegenseitiger Achtung“ aus. Im innerkirchlichen wie auch im gesamtgesellschaftlichen Bereich sei den Kirchen der Dienst der Versöhnung aufgetragen.

Die Evangelische Kirche in Kärnten sei in den vergangenen Jahren von Offenheit geprägt gewesen, hob Landeshauptmannstellvertreter Dr. Peter Ambrozy hervor. Ambrozy dankte für die vielfältigen Aufgaben, die die Evangelische Kirche in Kärnten wahrnehme. Sache der Kirchen wie auch der Medien sei es, in der Gesellschaft „die wesentlichen Dinge zu den wichtigen Dingen zu machen“.

An das Prinzip der „freien Kirche im freien Staat“ erinnerte MinR Dr. Werner Jisa vom Kultusamt. Der Staat garantiere und akzeptiere das öffentliche Wirken der Kirchen in Österreich. Jisa dankte der Evangelischen Kirche für ihr soziales Engagement in Kärnten und in Österreich.

Orientierung für die Menschen

„An Ihnen orientieren sich die Menschen“, sagte Landesrat Georg Wurmitzer zu dem neuen Superintendenten. „Ich wünsche Ihnen, dass sie in Ihrem Amt einen Beitrag zum Frieden und zur Eintracht in diesem Land leisten können.“

Im Anschluss an den Festgottesdienst, der von ORF-Kärnten live übertragen wurde, lud die Diözese zu einem Empfang in die Kärntner Tourismusschulen in Warmbad-Villach. Die Segenswünsche der Evangelischen Kirche A.B überbrachte dort der Präsident der Synode und Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer. Er verwies darauf, dass der Superintendent die geistige Führung der Superintendenz innehabe. Nach dem Augsburger Bekenntnis geschehe dies „durch das Predigen des Evangeliums und durch die Sakramentsverwaltung“.

Manfred Sauer (41) war am 31. März des Vorjahres von der Kärntner Superintendentialversammlung zum neuen Superintendenten gewählt worden. Er folgt in diesem Amt auf Mag. Joachim Rathke, der nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand trat.

Manfred Sauer wuchs in Bernstein (Burgenland) auf. Nach seinem Theologiestudium in Wien und Hamburg absolvierte er sein Lehrvikariat in Zell am See. Seit 1987 war Sauer Pfarrer in Pörtschach. Seit 1996 gehört er auch der Synode an und ist in verschiedenen übergemeindlichen Bereichen tätig. Sauer ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter zwischen elf und sechs Jahren.

ISSN 2222-2464