Sauer kritisiert „erschreckend teilnahmsloses Nebeneinander“ in Gesellschaft

Bei der Eröffnung der Kulturwoche der Kärntner Slowenen nahm der Superintendent Stellung zum Inzestfall in Amstetten – Zweisprachige Ortstafeln als „stolze Visitenkarten“

Straßburg 2008 (epd Ö) – „Es gibt immer wieder erschreckend teilnahmsloses Nebeneinander.“ Das sagte der Kärntner Superintendent Mag. Manfred Sauer zu dem Inzestfall in Amstetten, der derzeit in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird. Im Rahmen seiner Festansprache zur Eröffnung der 16. Kulturwoche der Kärntner Slowenen erklärte Sauer am 5. Mai im Stadtsaal der Stadtgemeinde Straßburg: „Amstetten ist in aller Munde, und das Entsetzen darüber, was da 24 Jahre lang geschehen konnte, ohne dass ein anderer Mensch etwas bemerkt hat, ist groß.“

Der Superintendent kritisierte, es gebe Menschen, „die in einem Wohnhaus, in einer Nachbarschaft nebeneinander leben, aber keinerlei Kontakt miteinander pflegen. Die auch kein Interesse haben, miteinander näher bekannt zu werden.“ Jeder lebe sein eigenes Leben, das oft sehr isoliert und manchmal auch völlig vereinsamt verlaufe. Sauer betonte, die Privatsphäre sei selbstverständlich zu respektieren, „aber eine Haltung der Ignoranz nach dem Motto ‚Was geht mich der andere an?‘ ist erschreckend.“

Ortstafeln symbolisieren keine territorialen Ansprüche

In diesem Zusammenhang nahm der Kärntner Superintendent auch auf den Kärntner Ortstafelstreit in seinem Bundesland Bezug und sagte: „Zweisprachige Ortstafeln symbolisieren aus meiner Sicht keine territorialen Ansprüche, sondern sind stolze Visitenkarten für ein gelebtes Miteinander.“ Zwar könne es nicht zielführend sein, Ortstafeln „von oben zu verordnen“, vielmehr ändere sich erst dann etwas, „wenn auch die Bevölkerung vor Ort ein Fest feiert, wenn eine neue zweisprachige Ortstafel aufgestellt wird“. Alle Verantwortlichen, „besonders auch wir kirchlichen, politischen und wirtschaftlichen Amts- und Würdenträger“ seien gefordert, „alle Maßnahmen zu unterstützen, die den Dialog fördern und vertiefen und einen breiten Konsens auch in diesen Fragen möglich machen“.

Sauer trat in seiner Festansprache für ein „nichterzieherisches Gespräch“ ein, „bei dem der Ausgang insofern offen ist, als die Beteiligten nicht mit dem Ziel in das Gespräch gehen, den Gegner zu überzeugen und argumentativ zu besiegen, sondern in dem sich beide aufeinander zubewegen und voneinander lernen“.

ISSN 2222-2464