Salzburg: Religionsgemeinschaften gegen FP-Plakate

Evangelische Jugend Wien kritisiert FP-Broschüre für JungwählerInnen

Salzburg (epd Ö) – Die Plattform für Menschenrechte Salzburg, in der sich Vertreter mehrerer Glaubensgemeinschaften zusammengeschlossen haben, hat wegen der FPÖ-Plakatkampagne „Abendland in Christenhand“ die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Man habe eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht, um zu überprüfen, ob durch die Plakatkampagne der Tatbestand der Verhetzung erfüllt sei, erklärte Plattform-Sprecherin Ursula Liebing bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 27. Mai, in der Salzburger Synagoge. Durch die FPÖ-Plakate würden Angehörige nichtchristlicher Religionsgemeinschaften in ihrer Würde beeinträchtigt.

Ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften sei nur möglich auf der Basis des Rechts der freien Religionsausübung, unterstrich Josef Mautner von der Salzburger Katholischen Aktion (KA). „Es geht nicht an, dass man als gläubiger Mensch diffamiert wird, dagegen muss man etwas tun“, sagte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold. Man glaube zwar in Österreich in einem friedlichen Land zu leben, so Feingold: „Aber ist es da tragbar, dass bei Gottesdiensten in der Synagoge seit Jahren zwei Polizisten mit Maschinenpistolen vor dem Eingang der Synagoge patrouillieren?“

„Wir müssen uns wehren, wenn eine Parlamentspartei vor einer angeblichen Islamisierung warnt und einen Weg der Spaltung und Ausgrenzung geht“, sagte Ebru Yurtseven von der Muslimischen Jugend Österreichs. Dieser Weg führe nicht in die Zukunft, warnte sie. Früher seien die Juden das Feindbild gewesen, nun wären es auch die Muslime, stellte Yurtseven fest.

Gerade die christlichen Kirchen würden daran arbeiten, Grenzen zu überwinden und Mauern abzubauen, betonte Pfarrerin Esther Handschin von der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sie distanzierte sich als Sprecherin des Ökumenischen Arbeitskreises Salzburg von den FP-Slogans. Mit der Plakataktion würden Religion und Kultur auf fatale Weise vermischt.

Fessler: „Jungwähler-Verdummungs-Welterklärung“

Scharfer Protest an der FPÖ-Wahlwerbung kommt auch von der Evangelischen Jugend Wien. Als „Jungwähler-Verdummungs-Welterklärung“ bezeichnete der Diözesanjugendreferent der evangelisch-lutherischen Diözese Wien, Sepp Fessler, eine FPÖ-Broschüre, die derzeit an junge Wählerinnen und Wähler geschickt wird. Darin werden, so Fessler, JungwählerInnen in Comicform mit „HC’s Kampf für Freiheit und gegen eine zentrale EU beglückt“. Die für die Jugend so wichtigen drängenden Fragen der Zukunft wie z.B. Jobsicherheit, Umweltschutz usw. mit einem derart „aufhetzerischen und undifferenzierten Schwarz-Weiß-Comic“ abzuhandeln sei „unseriös und verantwortungslos“, kritisierte Fessler. Im Comic würden als Gegenpol zur „guten HC-Figur“ „EU, Berufsasylanten, Profi-Bettler oder sich bekriegende Religionsgemeinschaften“ als „die Bösen“ dargestellt. In MitarbeiterInnenschulungen und Jugendprojekten wie dem Friedenstag für SchülerInnen, will sich Fessler mit der Evangelischen Jugend weiterhin für eine Bewusstseins- und Persönlichkeitsbildung einsetzen, die junge Menschen „mündig und kritikfähig“ macht und zu einem „differenzierten Denken befähigt“. Das sei „der effektivste Weg, um derartige Jungwählerrattenfängeraktionen bloßzustellen“, ist Fessler überzeugt.

ISSN 2222-2464