Ökumenischer Rat: Orientierungshilfe für Wahlentscheidungen

Gleixner: Keine „Einmischung“, sondern Beitrag zur „Blickschärfung“

Wien, 12. Oktober 2005 (epd Ö) – Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat angesichts anstehender Wahlentscheidungen an die Christen appelliert, christlichen Grundüberzeugungen zum Durchbruch zu verhelfen. „Wo etwa Schwache an den Rand gedrängt werden, über sie abschätzig geredet und damit Gewalt Vorschub geleistet wird, müssen die christlichen Kirchen wie auch die einzelnen Mitglieder der Kirchen energisch widerstehen. Gegenüber Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus ist Toleranz nicht möglich“, heißt es in einem Papier der ÖRKÖ-Arbeitsgruppe „Kirche und Gesellschaft“, das im Hinblick auf die Wahlentscheidungen aktualisiert wurde.

Wie ÖRKÖ-Vorsitzende Oberin Christine Gleixner sagte, sollen die „Fragen zur politischen Verantwortung“ Einzelpersonen oder auch Gruppen bei der Meinungsbildung behilflich sein. Es handle sich um „keine Einmischung“ in Wahlkämpfe, sondern um eine „Blickschärfung“, so Gleixner.

Wie es in dem Papier heißt, dürften Werte wie Menschenwürde, Menschlichkeit, Toleranz und gegenseitiges Verständnis „keine leeren Phrasen“ sein. Sie müssten fest im gemeinsamen Leben aller Menschen in Österreich verankert bleiben und Entscheidungen auch auf internationaler Ebene bestimmen. Als Orientierungshilfe enthält das Papier einen Fragenkatalog. Darin werden u.a. folgende Fragen gestellt: „Wie sprechen Politiker, Journalisten sowie die Vertreter der Parteien von Minderheiten?“ „Von welchem Geist sind ihre Äußerungen über die Aufgaben der Polizei, über Gerichtsverfahren und Strafrecht bestimmt?“ „Gibt es faire und menschenwürdige Asylverfahren?“ „Welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut in Österreich werden vorgesehen?“ oder „Welchen Stellenwert hat der umfassende Schutz des Lebens?“

ISSN 2222-2464