Landessuperintendent Neumann würdigt Wiesenthals Kampf gegen das Vergessen

Wichtige Symbolfigur und unbequemer Mahner

Wien, 23. September 2005 (epd Ö) – „Betroffen vom Tod Simon Wiesenthals denkt die Evangelisch-reformierte Kirche daran, dass es sein besonderes Verdienst war, gegen das Vergessen anzukämpfen.“ Das schreibt der reformierte Landessuperintendent Mag. Wolfram Neumann in einer Aussendung vom 22. September. In der reformierten Theologie und im reformierten Denken spiele die Erinnerung an die Geschichte, wie sie in der hebräischen Bibel zum Ausdruck komme, eine zentrale Rolle. Wiesenthals jahrzehntelanges Engagement im Dienst der Gerechtigkeit habe ihn zu einer „wichtigen Symbolfigur in unserem Land und in der Welt gemacht“, so Neumann. Wiesenthal, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht habe, die Mörder von einst auszuforschen und den Gerichten zu überantworten, war stets ein „unbequemer Mahner, der nicht zuließ, dass der Mantel des Schweigens über die Grauen der Shoah gebreitet werde und so immer wieder für Zündstoff, auch in der österreichischen Innenpolitik, sorgte“.

Hinschauen statt Verdrängen

Wiesenthal habe durch seine Arbeit viele Menschen in Österreich und auch in den evangelischen Kirchen gezwungen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, „hinzuschauen statt zu verdrängen und somit auch Strukturen des Unrechts klarer zu erkennen und zu durchschauen“. Seine besondere Größe bestand laut Neumann darin, dass er, der den Krematorien der Nazis als einziger seiner Familie nur knapp entronnen war, sich nicht nur um das Schicksal von überlebenden Juden sorgte, sondern auch dort seine Stimme erhob, wo andere Minderheiten bedroht und verfolgt wurden.

Neumann abschließend: „Es ist für die Zukunft zu hoffen, dass sein Wirken allen eine Warnung ist, die meinen, ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieben ungesühnt. Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass sich immer wieder Menschen finden, die Unrecht aufdecken, beim Namen nennen und die Verantwortlichen dafür aufspüren und zur Verantwortung ziehen in der Hoffnung, dass unsere Welt dadurch gerechter und menschlicher wird.“

ISSN 2222-2464