Krankenhausseelsorge: Ökumene unverzichtbarer Bestandteil

Die Krankenhausseelsorge kann oft nur fragmentarisch durchgeführt werden, es fehlen Ressourcen, interdisziplinäre Arbeit ist nur teilweise möglich. Foto: epdÖ/Uschmann
Die Krankenhausseelsorge kann oft nur fragmentarisch durchgeführt werden, es fehlen Ressourcen, interdisziplinäre Arbeit ist nur teilweise möglich. Foto: epdÖ/Uschmann

ExpertInnen trafen sich zu einer Fachtagung in Wien

Wien (epdÖ) – Neue ökumenische Ansätze in der Krankenhausseelsorge diskutierten Expertinnen und Experten am 1. Februar bei einer Fachtagung im Wiener Kardinal König Haus. Die ökumenische Zusammenarbeit im Krankenhaus sei ein unverzichtbarer Bestandteil einer glaubwürdigen christlichen Seelsorge, waren sich die Referentinnen und Referenten einig. Gleichzeitig räumten sie ein, dass es im Miteinander der unterschiedlichen Konfessionen immer wieder auch zu Schwierigkeiten kommen kann.

„Unsere Arbeit kann man, in Anlehnung an die bekannte Fernsehserie ‚Emergency Room‘, als ‚Emergency Management‘ bezeichnen“, sagte der evangelische Krankenhauspfarrer Arno Preis, der in der Wiener Rudolfstiftung und im Wiener Allgemeinen Krankenhaus tätig ist, bei der Abschlussdiskussion. Die Arbeit der Krankenhausseelsorge finde in einem großen und komplexen System statt, es handle sich mehr um ein Notkonzept als um ein normales Konzept. „Die Krankenhausseelsorge kann oft nur fragmentarisch durchgeführt werden, es fehlen Ressourcen, interdisziplinäre Arbeit ist nur teilweise möglich“, resümierte Preis. Dennoch sei er dankbar und froh, dass die Kirche Geld für die Krankenhausseelsorge bereitstelle. Obwohl sich immer mehr herauskristallisiere, wie wichtig Krankenhausseelsorge sei, Stichwort: „Spiritual Care“, sei diese Erkenntnis noch nicht überall angekommen. „Krankenhausseelsorge ist nicht überall gefragt und gewünscht, das hängt oft ab von der persönlichen Meinung Einzelner“, so Preis. Nach wie vor habe die Medizin die Deutungshoheit am Krankenbett, ein erstes Umdenken sei aber auf den Palliativstationen bemerkbar, wo die Krankenhausseelsorge immer mehr Anerkennung finde.

Er selbst verstehe ich sich in erster Linie als „Menschensorger“, betonte Preis. „Ich versuche, mit den Menschen ein Stück weit zu gehen. Jeder Mensch ist einzigartig, jede Seelsorgesituation ist einzigartig. Gemeinsam mit den Patienten entwickle ich einen gemeinsamen Weg, letztlich lerne ich dann auch etwas in dieser Begegnung.“ Dabei gehe es aber nie um Beliebigkeit, stellte Preis unmissverständlich fest. „Ich hole den Menschen dort ab, wo er ist, und lerne dann mit ihm differenzieren.“

Ein Umdenken über die Bedeutung von Krankenhausseelsorge auf den Palliativstationen und in der Palliativausbildung konstatierte auch Erhard Weiher. Der Diplom-Theologe und katholische Priester aus Mainz sucht bewusst den Kontakt mit MedizinerInnen und PflegerInnen, um ihnen die Notwendigkeit von „Spiritual Care“ näherzubringen. „Medizinern, die sich mit Palliativpflege beschäftigen und diese lernen, gehen Lichter auf, wenn sie von ‚Spiritual Care‘ hören und was das für ihre gesamte Praxis, nicht nur im Hospiz und auf den Palliativstationen, bedeutet.“

Als den „Geist, aus dem ich lebe“, erklärt der römisch-katholische Krankenhauspfarrer Gerhard Gary, Rektor der Krankenhausseelsorge am AKH Wien, den angehenden PflegerInnen und MedizinerInnen den Begriff Spiritualität. Die evangelische Pfarrerin Claudia Schröder, Diözesanbeauftragte der Evangelischen Krankenhausseelsorge Wien, berichtete aus ihrer Praxis, dass sie als Vertreterin einer Religion und nicht als Vertreterin für Spiritualität wahrgenommen werde. Sie selbst habe es sehr oft mit evangelischen Patienten mit „Patchwork-Religiosität“ zu tun. Dies sei typisch für die Arbeit in einem säkularen Umfeld. Kritisch merkte Schröder an, dass der Begriff Spiritualität zu unspezifisch sei und mittlerweile auch immer mehr Psychologen den Begriff Spiritualität für sich verwenden würden.

„Es ist wichtig, seine spirituelle Eigensprache zu haben“, ist Christoph Schmitz, Fachbereichsleiter der Katholischen Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorge der Erzdiözese Wien, überzeugt. Dies sei gerade in der ökumenischen Zusammenarbeit sehr wichtig. Ioannis Minas, griechisch-orthodoxer Erzpriester aus München, erzählte aus seiner schwierigen Praxis als Krankenhausseelsorger. Der ehrenamtlich arbeitende Priester, der sein Einkommen als Lehrer verdient, verbringt oft Tage und Nächte an den Krankenbetten. „Ich kann nicht anders. Meine beiden Eltern sind an Krebs verstorben. Wann immer ich in das Gesicht eines leidenden Patienten blicke, sehe ich meinen Vater beziehungsweise meine Mutter darin.“ Ökumenische Zusammenarbeit ist auch für ihn selbstverständlich. „Wenn ich zu einem Patienten oder zu einer Patientin gerufen werde, helfe ich, bete ich und segne ich, unabhängig von dem Glaubensbekenntnis oder der Konfession.“

ISSN 2222-2464