Knoll: Aufregung über Haderer ist aufregend

Die burgenländische Superintendentin im „Standard“-Interview: Einige Krenn-Aussagen regen mehr auf als Haderer-Cartoons

Wien, 3. April 2002 (epd Ö) Keine Verspottung Jesu sieht die burgenländische Superintendentin, Mag. Gertraud Knoll, in den Cartoons von Gerhard Haderer. „Ich finde die Aufregung darüber aufregend“, sagte Knoll in einem Interview für die Tageszeitung „Der Standard“ vom Samstag, 30. März. Bei den Haderer-Cartoons handle es sich um Satire und nicht um eine historisch-kritische Auslegung. „Manche Äußerungen von Bischof Kurt Krenn haben meine religiösen Gefühle sicher mehr verletzt – zum Beispiel jene über das Frauenpriestertum“, so die Superintendentin.

Ökumenischer Dialog kennt Grenzen

Das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche sei durch die lange Tradition eines ökumenischen Dialogs gekennzeichnet. Dieser kenne jedoch „schmerzliche Grenzen: wenn die volle Gemeinschaft immer wieder verweigert wird, weil der Begriff Kirche auf die römisch-katholische beschränkt bleiben soll“. Als Minderheitskirche habe sich die evangelische Kirche zu lange in der Defensive verhalten und auf Themen reagiert, die von der katholischen Kirche vorgegeben wurden.

Die Befindlichkeit der Kirche dürfe nicht allein an Statistiken gemessen werden. Es gehe nicht nur um Quantität, sondern um Qualität. Derzeit sei in der Gesellschaft ein Trend zu erkennen, der ein Wiedererwachen der Religion, der Mystik und der Spiritualität signalisiert. Kirche als Institution sehe sich jedoch wie viele andere Institutionen mit einem „tiefen Misstrauen“ konfrontiert.

Neoliberale Politik nicht mit christlicher Schleife verkaufen

Angesprochen auf das Sozialstaat-Volksbegehren – die Eintragungsfrist hat am 3. April begonnen – verwies die burgenländische Superintendentin und Mitinitiatorin des Volksbegehrens auf das ökumenische Sozialwort der Kirchen. Dieses teile viele Forderungen des Volksbegehrens. Bereits 1997 sei von beiden Kirchen die Sozialverträglichkeitsprüfung gefordert worden. Die Verankerung des Sozialstaats in der Verfassung verpflichte künftig jede Regierung zu einer aktiven Sozialpolitik. Soziale Grundrechte brauchten Rechtssicherheit und dürften nicht durch einfache Mehrheiten im Parlament zu Almosen herabgewürdigt werden. Dass sich die christlich-soziale Partei gegen das Volksbegehren ausgesprochen habe, wundert Knoll: „Aus biblischer Sicht hat christlich-sozial nichts mit einem radikalen Sparkurs zu tun. Jene, die viel haben, sollen es denen geben, die nichts haben.“ Neoliberale Politik könne „weder mit einer sozialen, geschweige denn christlichen Schleife verkauft werden“.

Evangelische Frauenarbeit unterstützt Sozialstaat-Volksbegehren

Unterstützt wird das Sozialstaat-Volksbegehren auch von der Evangelischen Frauenarbeit. „Es darf nicht sein, dass die Schwachen in unserer Gesellschaft noch mehr an den Rand gestellt werden“, warnt die Frauenarbeit in einer Aussendung.

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ISSN 2222-2464