Kirchen in Österreich „tief schockiert“

Ökumenischer Rat der Kirchen schrieb an Schwesterorganisation in den USA – Zahlreiche Gedenkgottesdienste und Friedensgebete

Wien, 20. September 2001 (epd Ö) „Wir trauern mit Ihnen und beten dafür, dass Gerechtigkeit geschieht und jene gefunden und zur Verantwortung gezogen werden, die diesen inhumanen und barbarischen Akt initiiert haben“: Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat in einem Schreiben an Robert W. Edgar, den Generalsekretär des „Nationalen Rates der Kirchen in den USA“ (NCCC) seine Anteilnahme nach den Terrorakten in New York, Washington und Pittsburgh bekundet. „Tief schockiert“ von den Ereignissen wollten die 14 Mitgliedskirchen des ÖRKÖ allen Kirchen im NCCC ihr Mitleiden und ihre Loyalität ausdrücken, heißt es in dem von ÖRKÖ-Vorsitzender Christine Gleixner und ÖRKÖ-Sekretär Helmut Nausner unterzeichneten Kondolenzbrief. Man bitte Gott darum, den von der Katastrophe Betroffenen Trost und Stärke zukommen zu lassen. Weiter heißt es wörtlich in dem Schreiben: „Möge Gott den Christen in Ihrem Land und überall auf der Welt beistehen, „dem Bösen zu widersagen“, sodass wir zu Friedensstiftern werden können“.

In den letzten Tagen haben in zahlreichen Pfarrgemeinden und Diözesen Gedenkgottesdienste und Trauerfeiern stattgefunden. Bei einem Ökumenischen Friedensgebet im Neuen Linzer Dom am 14. September zeigte sich der oberösterreichische Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer erschüttert, „dass hier präziser, gewollter, unmenschlicher Hass und Terror zu vieltausendfachem Tod, Leid und Verzweiflung von Menschen geführt haben“. Eichmeyer appellierte an die gegenseitige Verantwortung und zitierte das Jesus-Wort: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, einer unter diesen meinen geringsten Schwestern, das habt ihr mir getan.“ Zugleich müsse sich aber auch die westliche Welt fragen, „wie es zu diesem abgrundtiefen Hass gegen den Westen“ gekommen sei. Eichmeyer: „Welche Demütigungen des Ostens, welche Bombardements, welche ebenfalls tödlichen Embargos an Lebensmitteln und Arzneien führten dazu?“

Die Radikalisierung der Worte und Gesten auf allen Seiten habe die Spirale der Gewalt noch kräftig angekurbelt, formuliert der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas in einem Gebetsentwurf, der an die evangelischen Pfarrgemeinden in der Steiermark ausgesandt wurde. Seit den Terroranschlägen regiere die Angst, dass die Spirale der Gewalt noch höher geschraubt werden könnte.

„Es erschreckt uns, dass sich das Böse derart zeigt“, schreibt der Kärntner Superintendent Mag. Joachim Rathke an die Pfarrgemeinden seiner Diözese. Rathke: „Wir Menschen sind zum Schlimmsten fähig. Darum bitten wir Gott um seine Gnade, mit uns selbst leben zu können.“

ISSN 2222-2464