Kirchen erinnern im Elsass an Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Mit einem zentralen Gedenkgottesdienst haben die Evangelischen Kirchen in Europa am Sonntag, 3. August, im elsässischen Gunsbach an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. (Im Bild: Die Kirche von Gunsbach. Foto: wikipedia/Ji-Elle)
Mit einem zentralen Gedenkgottesdienst haben die Evangelischen Kirchen in Europa am Sonntag, 3. August, im elsässischen Gunsbach an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. (Im Bild: Die Kirche von Gunsbach. Foto: wikipedia/Ji-Elle)

Weber: „Einige Konflikte von damals noch immer nicht gelöst.“

Gunsbach (epdÖ) – Mit einem zentralen Gedenkgottesdienst haben die Evangelischen Kirchen in Europa am Sonntag, 3. August, im elsässischen Gunsbach an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Der frühere Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber sagte, jener Krieg habe die politische Landkarte Europas verändert. „Noch heute spüren wir, dass einige der Konflikte von damals noch immer nicht gelöst sind.“

Damals habe auch die Evangelische Kirche den Kriegseintritt als gerecht legitimiert. „Dieses Versagen und diese Schuld erfüllen uns heute noch mit Scham“, betonte Weber, der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. Zugleich verwies der frühere Bischof auf die 90 evangelischen Theologen, die sich noch am 1. August 1914 in Konstanz trafen und versprachen, Wege des Friedens zu suchen. Ihr Beispiel und die europäische Geschichte lehrten, dass Versöhnung zwischen ehemaligen Feinden zu einer Ordnung des Friedens führen könne.

Die Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, erklärte, eine europäische Friedensordnung sei auch heute noch nicht selbstverständlich. „Denn wieder werden in Europa Konflikte mit Waffengewalt ausgetragen, weltweit nehmen die Zahl und die Intensität kriegerischer Konflikte zu.“ Sie fügte hinzu: „Möge die Erinnerung an die Katastrophen Europas im letzten Jahrhundert uns ermutigen, den Weg zu gerechtem Frieden zu finden und zu gehen. Dazu helfe uns Gott.“

Auch der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Renke Brahms, rief dazu auf, aus den Schrecknissen des Ersten Weltkriegs zu lernen. Die ökumenische Bewegung der Kirchen stehe heute unter dem Leitbild des gerechten Friedens, so der Schriftführer der Bremer Evangelischen Kirche. Dazu gehöre, dass Menschen frei von Angst und Not leben können, dass sie Feindschaft, Diskriminierung und Unterdrückung überwinden und die Umwelt schützen können.

„Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten“, unterstrich Brahms. „Dieser Grundsatz fordert uns zu unablässigem Engagement für einen umfassenden Frieden auf.“ Es sei eine bleibende Aufgabe der Kirchen, die Ursachen von Konflikten zu bekämpfen. In diesen Tagen wendeten sich die Kirchen in Europa auch gegen Antisemitismus auf den Straßen und in den digitalen Netzen. „Es darf nicht sein, dass sich jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger in unseren Ländern wieder verfolgt und angefeindet fühlen müssen“, betonte Brahms.

Der Gedenkgottesdienst, dessen Liturgie auf Französisch, Englisch und Deutsch gestaltet wurde, stand unter dem Leitwort „Und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Es nahmen zahlreiche SpitzenvertreterInnen aus den 94 Mitgliedskirchen der GEKE teil. Gunsbach liegt nicht weit vom Hartmannsweilerkopf entfernt, wo zeitgleich der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und der französische Präsident François Hollande zu einer Gedenkfeier zusammentrafen.

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ISSN 2222-2464