Kärntner Superintendent: Scharfe Kritik an Haiders Jesus-Vergleich

Sauer: „Durch unbedachte blasphemische Äußerungen entgleisen Vertrauen und konstruktive Lösungsmöglichkeiten“

Villach, 23. Jänner 2006 (epd Ö) – Auf scharfe Kritik des Kärntner Superintendenten Manfred Sauer stoßen die jüngsten Aussagen des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider im Streit um die Ortstafeln. Beim BZÖ-Neujahrstreffen am Sonntag, 22. Jänner, in Pörtschach hatte Haider wörtlich erklärt: „Wahrlich, ich sage euch: Vor 2000 Jahren ist einer auferstanden und hat den Grabstein verrückt. Heute findet sich ein Landeshauptmann, der die Ortstafeln verrückt.“ „Der Vergleich des Versetzens von Ortstafeln mit dem Versetzen des Grabsteines, dem Leiden und Auferstehen Jesu macht nicht nur nachdenklich, sondern tief betroffen“, betont Superintendent Sauer gegenüber epd Ö. Was vermutlich „witzig gemeint“ war, verletze die religiösen Gefühle vieler Christen. Sauer: „Durch solche unbedachten und blasphemischen Äußerungen entgleisen auch leicht Vertrauen und konstruktive Lösungsmöglichkeiten.“ Wer sich auf Jesus beziehe, „sollte zuallererst versuchen, ihm in wesentlichen Dingen zu folgen und seinen Willen zu tun auch im politischen Alltag. Jesus sagt: Selig sind die Friedensstifter, sie werden Gottes Kinder heißen.“

Als Superintendent einer Minderheitskirche wisse er aus eigener Erfahrung, dass Minderheiten des besonderen Rechtsschutzes bedürfen. Sauer weiter: „Ich bin überzeugt, dass die Kärntnerinnen und Kärntner mehrheitlich so wie ich die Zweisprachigkeit und die kulturelle Vielfalt in unserem Land zu schätzen wissen und jedes weitere Taktieren in dieser sensiblen Frage ablehnen.“ Schon lange könnte Kärnten „bei tatkräftigem und ernsthaftem Willen aller politischen Kräfte“ in der Ortstafelfrage ein Vorzeigemodell für ganz Europa sein. Dem Landeshauptmann komme dabei allerdings eine besondere Schlüsselrolle zu.

Der Superintendent appelliert an alle Beteiligten, „gegenseitig aufschaukelndes und verletzendes Hickhack, persönliche Untergriffe und an den Haaren herbeigezogene religiöse Vergleiche in Hinkunft zu vermeiden“.

ISSN 2222-2464