Irakischer Erzbischof Sako in Wien: Irakische Christen brauchen Solidarität

v.li.: Bischof i.R. Herwig Sturm (CSI), Erzbischof Louis Sako und Herbert Rechberger (GF "Kirche in Not")
v.li.: Bischof i.R. Herwig Sturm (CSI), Erzbischof Louis Sako und Herbert Rechberger (GF "Kirche in Not")

Wien (epd Ö) – Einen dringenden Hilferuf hat der Bischof der Chaldäisch-Katholischen Erzdiözese Kirkuk im Irak, Louis Sako, an die österreichische Öffentlichkeit gerichtet. In einer von den Organisationen „Kirche in Not“, Christian Solidarity International Österreich (CSI) und der Stiftung Pro Oriente in Wien veranstalteten Pressekonferenz sagte der Erzbischof am 25. März: „Wir brauchen Ihre Solidarität. Bitte helfen Sie uns, dass wir in unserer Heimat nicht als Bürger zweiter Klasse behandelt werden.“

 

Der Bischof schilderte die Situation der christlichen Minderheiten im Irak, die nach Auswanderung und Fluchtbewegungen nur noch zwei Prozent der Gesamtbevölkerung von 27 Millionen Menschen stellen, und erklärte: „Das ist für uns eine Tragödie. Wir waren dort, bevor die Muslime gekommen sind, und wir möchten dort bleiben.“

 

Als „Herausforderungen“ für die Christen im Irak nannte Sako zunächst die mangelnde Sicherheit insbesondere in der Stadt Mosul, wo es zahlreiche Fundamentalisten gebe, die einen muslimischen Gottesstaat anstrebten. „Während Saddams Regime hatten wir Sicherheit, aber keine Freiheit“, berichtete der Bischof. Für Muslime, die ein Religionsverständnis „wie im 9. Jahrhundert“ besäßen, sei „verantwortliche Freiheit“ ein Problem. Ungelöst sei auch die Frage, was nach dem Rückzug der Amerikaner aus dem Irak geschehe. Der Bischof befürchtet in diesem Fall ein weiteres Anwachsen der Gewalt: „Die Zukunft des Irak ist ungewiss.“

Dennoch betonte Sako vor den Journalisten: „Wir haben keine Angst.“ Vielmehr lebten die irakischen Christen in der Hoffnung, zusammen mit den Muslimen in Freiheit existieren zu können. Es gebe einen „Dialog des Lebens“, der allerdings nicht auf theologischer Ebene verlaufe.

Der Erzbischof, der sich noch bis 29. März in Österreich aufhält und mehrere Vorträge hält, nimmt auch teil am alljährlichen Schweigemarsch für verfolgte Christen am 27. März in Wien, der von CSI veranstaltet wird und von der Staatsoper bis zum Stephansdom verläuft. Dort findet um 17.00 Uhr ein ökumenischer Wortgottesdienst statt.

ISSN 2222-2464