Integration ist mehr als Asyl- und Fremdenrecht

Bischof Bünker „Im Journal zu Gast“ – Staatssekretariat „gutes Zeichen“, aber am falschen Ort

Wien (epd Ö) – Das neue Integrationsstaatssekretariat sieht der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker grundsätzlich als „gutes Zeichen“, im Innenministerium sei es jedoch falsch angesiedelt, meinte der Bischof am Karfreitag, 22. April, „Im Journal zu Gast“ auf Ö1. Die Politik nehme damit wahr, dass Österreich ein Zuwanderungsland sei und Integration eine zentrale politische Steuerung brauche. Allerdings sei Integration eine Querschnittsmaterie, die nicht nur Asyl- und Fremdenrecht umfasse. Vor allem gehe es um Bildungsfragen ebenso wie um soziale und wirtschaftliche Themen. Daher wäre dieses neue Staatssekretariat besser in einem Ressort für Wirtschaft und Familien angesiedelt. Zum neuen Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz wollte sich Bünker nicht äußern, „aus meiner evangelischen Einstellung heraus verdient jeder ein Grundvertrauen“, er wünsche ihm alles Gute für die heikle Aufgabe.

Dass beim Thema Zuwanderung „alle wie gebannt“ auf den Islam starren, sei eine „Fehleinschätzung“, da viel mehr Christinnen und Christen nach Österreich kämen. Die Errichtung von Moscheen und Minaretten befürwortet Bünker. Der Bischof erinnerte im Ö1-Interview an die Geschichte der Evangelischen, die erst 1961 durch das Protestantengesetz volle Gleichberechtigung erhalten haben. Offenbar sei „viel Geduld“ notwendig, bis Religionsgemeinschaften volle Freiheitsrechte bekommen. Bünker: „Nach den Erfahrungen mit dem Kirchturmverbot im 19. Jahrhundert verstehen wir, dass es selbstverständlich sein muss, wenn die islamische Glaubensgemeinschaft Moscheen mit Minaretten baut. Das ist einfach ein Ausdruck der Religionsfreiheit und sollte gar nicht umstritten sein.“ Das Gleiche gelte für einen gesetzlichen Feiertag. Minderheiten seien in Österreich solange geduldet, „solange man nichts von ihnen merkt“. Das sehe man auch an der Ortstafeldiskussion in Kärnten, wo Bünker hofft, „dass es nach Ostern zu einer Lösung kommt“.

Im Gespräch mit Markus Veinfurter wies der Bischof darauf hin, dass sich entgegen den globalen Zielen der Kampf gegen den weltweiten Hunger durch die Finanzkrise abgeschwächt habe. Dass eine Milliarde Menschen Hunger leidet, 25.000 Menschen täglich verhungern und alle sechs Sekunden ein Kind an Hunger stirbt, sei „unerträglich“. Bünker wiederholte seine Kritik an den Kürzungen der österreichischen Entwicklungshilfe: Mit 0,3 Prozent der Wirtschaftsleistung sei man vom Ziel 0,7 Prozent weit entfernt, nun sollen diese Mittel sogar noch weiter reduziert werden. Hier erheben, so Bünker, die Kirchen gemeinsam Einspruch.

Auferstehung, so der Bischof, könne auch so gesehen werden, dass der „übermächtige Stein vom Grab gewälzt ist“. Von Ostern gehe der Impuls aus, den „steinernen Stillstand“ aufzubrechen und „zuversichtlich und mutig die Aufgaben der Zukunft in Angriff zu nehmen“.

ISSN 2222-2464