Im Gespräch – „Ratschläge, die keiner braucht…“

"Wir müssen uns fragen, welche Qualität haben unsere Worte? Helfen sie, etwas los- oder etwas heilwerden zu lassen: Dann raus damit!" Foto: pixabay
"Wir müssen uns fragen, welche Qualität haben unsere Worte? Helfen sie, etwas los- oder etwas heilwerden zu lassen: Dann raus damit!" Foto: pixabay

Julia Schnizlein über „faules Geschwätz“

Die Sommerferien sind da. Juhu! Aber seit drei Jahren stellt mich das auch vor die Herausforderung: Wie organisiere ich als berufstätige Mutter die Ferienbetreuung meiner Kinder? Auch wenn ich es noch immer gut hinbekommen habe, möchte ich manchmal einfach über die Doppelbelastung jammern und jemandem mein Herz ausschütten. Und so unterhielt ich mich neulich mit einer Bekannten. Die hörte sich meinen Zwiespalt an und meinte dann trocken: „Selbst Schuld. Du musstest ja unbedingt wieder arbeiten.“

Ihre Worte kränkten mich. Nicht nur, weil es nicht das war, was ich hören wollte. Sondern weil plötzlich die Dimension der Schuld dazukam. Meiner Schuld. Als müsste immer jemand Schuld sein, wenn mal nicht alles glatt läuft. Es waren auch Worte, die mir nicht weiterhalfen. Destruktive Worte, die allenfalls ein schlechtes Gewissen auslösen konnten.

Immer wieder begegnen uns solche als Ratschläge getarnte Pauschalurteile. Meist haben sie nichts mit dem Adressaten zu tun, höchstens mit dem, der sie ausspricht. Und trotzdem können solche Worte verunsichern und kränken. Schon das Alte Testament wusste um die verletzende Wirkung von Worten: „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“

Kaum besser als abwertende Ratschläge, sind solche, die gar nichts aussagen. Die man bei jeder Gelegenheit einwerfen kann und die letztendlich wirklich keiner braucht. Beispiele? Ich habe Angst vor einer Prüfung oder einer neuen, mir fremden Situation und jemand rät mir: „Sei einfach du selbst, aber übertreib’s nicht…!“ Na danke!

Besonders allergisch reagiere ich auch auf Tipps wie: „Mach dir nichts draus“, „Das wird schon“ oder Sätze die mit „Zu meiner Zeit…“ beginnen. Keiner davon wird dem Gegenüber gerecht, das sich hilfe- oder ratsuchend oder einfach mit dem Bedürfnis nach Verständnis an andere wendet.
Paulus kannte dieses Phänomen wohl auch. Daher mahnte er in einem seiner Briefe: „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.“

Ja, Worte können nämlich auch so viel Gutes tun. Sie können aufrichten, trösten, ermutigen, motivieren, manchmal sogar etwas heilen. Daher ist es so wichtig, uns über unser Reden, über den Effekt unserer Worte bewusst zu werden. Wir müssen uns fragen, welche Qualität haben unsere Worte? Sind sie wertlos, unnütz und eine reine Belastung für den, der sie hört? Dann sollten sie ungesagt bleiben. Sind sie überlegt? Dienen sie zum Guten, selbst wenn sie im ersten Moment schmerzen? Helfen sie, etwas los- oder etwas heilwerden zu lassen: Dann raus damit!

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ISSN 2222-2464