Hohe Caritas-Auszeichnung für lutherischen Bischof Herwig Sturm

Der lutherische Bischof Herwig Sturm (links) bei der Verleihung der Elisabethmedaille durch Caritas-Direktor Michael Landau
Der lutherische Bischof Herwig Sturm (links) bei der Verleihung der Elisabethmedaille durch Caritas-Direktor Michael Landau

Krätzl: „Anwalt für Benachteiligte“ – Landau: „Gutes Miteinander der Kirchen trägt entscheidend Sturms Handschrift“

Wien (epd Ö) – Der evangelisch-lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm hat die Goldene Elisabethmedaille, die höchste Auszeichnung der Caritas Österreich, erhalten.

 

Die Auszeichnung erfolge „im Wissen um das Einverständnis des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn in großer Dankbarkeit für das gute ökumenische Miteinander“, sagte Caritas-Direktor Msgr. DDr. Michael Landau bei der Verleihung am Freitag, 31. August, im Wiener Kardinal-König-Haus. Dieses Miteinander habe sich nicht zuletzt im Blick auf die Menschen „an den Rändern des Lebens und den Rändern der Gesellschaft“ bewährt, „in denen Christus uns nach dem Zeugnis der Bibel auch heute begegnet“, so Landau.

 

Das gute Miteinander der Kirchen in Österreich trage entscheidend Sturms Handschrift, sagte der Caritas-Direktor und würdigte Sturms Zeugnis, „dass Christen nur vor Gott ihre Knie beugen sollen“. Durch ihr gemeinsames solidarisches Tun lebten die Kirchen ihren prophetischen Auftrag. Zum ökumenischen Dialog, so Landau, gebe es keine sinnvolle Alternative, die Caritas sei hier Bischof Sturm in großem Maß zu Dank verpflichtet.

 

Der römisch-katholische Weihbischof DDr. Helmut Krätzl bezeichnete den lutherischen Bischof in seiner Laudatio als „mutigen Anwalt für Benachteiligte“. Diese Haltung sei auch in der Familie Sturms zu spüren. Krätzl erinnerte dabei an das Engagement von Sturms Frau Gertrude beim Aufbau und der Leitung des Laura-Gatner-Hauses für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

 

Krätzl hob Sturms Mitarbeit im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hervor; hier habe Sturm als Mitglied des Vorstandes und jetzt als Vorsitzender gezeigt, wie sich Kirchen in der Öffentlichkeit für Menschenwürde und gegen Ungerechtigkeit einsetzen. Sturm sei dabei „nie nur dabei, sondern immer initiativ“ gewesen und habe sich mutig als Erster zu Wort gemeldet. „Wer aus dem Evangelium lebt, muss sozial wirken“, betonte der Weihbischof. Dieses soziale Wirken werde besonders deutlich in der täglichen Zusammenarbeit zwischen Caritas und Diakonie, die auch in der Innenpolitik als gemeinsame Stimme zu mehr Menschlichkeit aufrufen.

 

Seinen Dank für die „unerwartete Auszeichnung“ verband Bischof Sturm mit dem Dank für „den schönen Bogen der Ökumene, das, wofür mein Herz und Hoffen schlägt“. Sturm dankte auch seiner Familie dafür, dass er vom Elternhaus weg immer in einem offenen Haus leben konnte. „Die Arbeit der Hilfe in Extremräumen unserer Gesellschaft, das Ringen um Würde für uns Helfende, ist eine wichtige Herausforderung, an der wir uns selbst immer prüfen müssen“, so Sturm. Der Bischof rief dazu auf, „sprachfähig zu bleiben in einem System, wo Menschen täglich unter die Walze kommen“.

 

Mag. Herwig Sturm wurde am 15. August 1942 in Lilienfeld/NÖ geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit in Salzburg und des Studiums in Wien, Heidelberg und Zürich war Sturm als Vikar in Zell am See und Lienz tätig. In Lienz übernahm er auch seine erste Pfarrstelle, die er 13 Jahre innehatte, bevor er im Jahr 1980 als Pfarrer nach Klagenfurt wechselte. 1988 wurde Herwig Sturm zum Superintendenten der Diözese Kärnten/Osttirol gewählt.

 

Am 2. Oktober 1995 wählte ihn die Synode zum Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Der Amtsantritt erfolgte am 1. Jänner 1996. Sturm ist auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Zu seinem Nachfolger im Bischofsamt wurde am 1. Juni 2007 Oberkirchenrat Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker gewählt, der das Leitungsamt am 1. Jänner 2008 antreten wird. Sturm ist verheiratet und hat drei Kinder.

ISSN 2222-2464