Gallneukirchen: Neue Rektorin des Diakoniewerkes in ihr Amt eingeführt

Die neue Rektorin des Diakoniewerkes Gallneukirchen, Christa Schrauf, mit Bischof Bünker
Die neue Rektorin des Diakoniewerkes Gallneukirchen, Christa Schrauf, mit Bischof Bünker

Christa Schrauf: Soziale Stimme für eine Gesellschaft, in der alle Platz haben

Gallneukirchen (epd Ö) – Die neue Rektorin des Diakoniewerkes Gallneukirchen, Christa Schrauf, ist am Sonntag, 1. Februar, in einem feierlichen Gottesdienst durch Bischof Michael Bünker in ihr Leitungsamt eingeführt worden. In der 135-jährigen Geschichte des Diakoniewerkes ist die gebürtige Burgenländerin und frühere Grazer Pfarrerin die erste Frau an der Spitze der größten diakonischen Einrichtung in Österreich.

„Wo die Liebe wohnt …“ – unter dieses Motto stellte die neue Rektorin den Festgottesdienst in der bis auf den letzten Platz gefüllten Gusenhalle in Gallneukirchen. „Weil wir den Auftrag haben, der Liebe unter uns Wohnung zu geben, werden wir uns auch in Zukunft mit unserem besonderen Profil einbringen, Anwalt sein für die Menschen, die keine Lobby haben, soziale Stimme sein für eine inklusive Gesellschaft, in der alle Platz haben und niemand draußen stehen muss“, sagte Schrauf in ihrer Predigt. Alle Menschen ohne Ausnahme haben, so die Rektorin, das Recht auf ein „würdevolles Leben vom Anfang bis zum Ende“. Wenn im Alter die Kraft abnehme, dürfe nicht von Menschen als Kostenfaktoren gesprochen werden, warnte Schrauf. Vielmehr gehe es darum, die Menschen und ihre speziellen Bedürfnisse in den Blickpunkt zu rücken.

„Das, was Sie hier leisten, ist großartig“, sagte die Rektorin vor den zahlreichen MitarbeiterInnen des Diakoniewerkes. Für die anspruchsvolle Arbeit brauche es neben Kreativität auch professionelle Bildung. Die Schulen des Diakoniewerkes setzten hier „unaufgebbare Standards“, denn: „Menschen in schwierigen Lebenssituationen haben ein Recht auf kompetente MitarbeiterInnen.“ Den erfolgreichen Weg des Diakoniewerkes könne sie fortsetzen, weil sie weiterhin mit dem „Land Oberösterreich als verlässlicher Partner“ rechnen dürfe.

Bünker: Kirche ist wesentlich diakonisch

„Die kirchliche und soziale Aufgabe liegt Christa Schrauf im Blut“, meinte Bischof Michael Bünker, der die Amtseinführung vornahm. „Gottesdienst und Glaube geschehen in der Tat“, sagte der Bischof. „In der Tat“ trete Kirche ein für eine integrative Gesellschaft, in der die Viefalt als Bereicherung erlebt wird, für Solidarität und Wärme auch in schwierigen Zeiten. Bünker: „In der Tat bringt Gott sich in der Welt ein.“ Kirche sei „nicht beiläufig, sondern wesentlich diakonisch“.

Der Vorsitzende des Kuratoriums des Diakoniewerkes, Folkmar Alzner, erinnerte daran, dass Schrauf vor knapp einem Jahr einstimmig zur Nachfolgerin von Gerhard Gäbler gewählt wurde. Seit 1. Oktober leitet die Rektorin als Vorstandsvorsitzende gemeinsam mit den Vorständen Josef Scharinger und Heinz Thaler das Diakoniewerk mit seinen 2600 MitarbeiterInnen.

Pühringer: Gemeinsam für Lebensqualität im umfassenden Sinn

Beim anschließenden Festakt dankte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer dem langjährigen Rektor Gerhard Gäbler, der in der Soziallandschaft „viel bewegt“ habe. Der neuen Rektorin sicherte der Landeshauptmann seine Unterstützung zu. Kirche und Staat hätten die gemeinsame Aufgabe, für die „Lebensqualität der Menschen im umfassenden Sinn“ zu sorgen. Diakonie und Caritas setzten sich dafür ein, „dass die Menschenwürde nicht verloren geht“ und Menschen mit besonderen Bedürfnissen nicht zu kurz kommen.

Soziallandesrat Josef Ackerl unterstrich, dass sich in den letzten Jahren in der sozialen Landschaft Oberösterreichs ein Paradigmenwechsel hin zu Regionalisierung und Dezentralisierung vollzogen habe. Politik und Diakoniewerk – für Ackerl ein „anerkannter Partner und intellektuelles Aushängeschild“ hätten dabei das gemeinsame Ziel, „Menschen, die es im Leben nicht so einfach haben, Pfade bereitzustellen, die ohne Barrieren begehbar sind“.

Dass die Rolle der Rektorin bedeute, „zu lenken und zu leiten“, sagte der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner in seinem Grußwort. Nach dem Vorbild Jesu gehe es darum, „leitend zu dienen und dienend zu leiten“. Der neuen Rektorin wünschte Lehner, dass es gelinge, „den Menschen die Würde des aufrechten Ganges zu schenken“.

Diakonie sei immer stark weiblich geprägt gewesen, in der Leitung habe es diesbezüglich allerdings einen „Aufholbedarf“ gegeben, meinte der Präsident der Diakonie Österreich, Roland Siegrist, und betonte, dass vom Diakoniewerk in Gallneukirchen „zentrale inhaltliche Initiativen“, wie etwa das innovative Modell der Hausgemeinschaften, ausgegangen sind. Die Bürgermeister von Gallneukirchen und Engerwitzdorf, Walter Böck und Johann Schimböck, gingen auf die wichtige Rolle des Diakoniewerkes als Arbeitgeber in der Region ein. Durch das jährliche Martinstift-Symposion habe sich Gallneukirchen zu einer „Stadt des Wissens“ in der diakonischen Arbeit entwickelt.

An der Amtseinführung haben zahlreiche VertreterInnen der Evangelischen Kirche, der Ökumene, der Politik und des öffentlichen Lebens teilgenommen. Bei der Amtseinführung assistierten Schraufs Vorgänger Gerhard Gäbler und die Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit, Barbara Heyse-Schaefer. Segensworte sprachen VertreterInnen der Evangelischen Kirche, der Diakonie, der BewohnerInnen diakonischer Einrichtungen und der MitarbeiterInnen. Musikalisch gestalteten den Festgottesdienst und den Festakt Musikgruppen des Diakoniewerkes sowie ein Posaunenchor der Pfarrgemeinden Gallneukirchen und Linz-Innere Stadt. Die Orgel spielte Gisela Nesser.

ISSN 2222-2464