Ferdinand Schmalz gewinnt Bachmann-Preis 2017

v.l.: John Wray, Gianna Molinari, Ferdinanz Schmalz, Karin Peschka und Eckhart Nickel wurden heuer beim Bachmannpreis ausgezeichnet. Foto: W. Pobaschnig
v.l.: John Wray, Gianna Molinari, Ferdinanz Schmalz, Karin Peschka und Eckhart Nickel wurden heuer beim Bachmannpreis ausgezeichnet. Foto: W. Pobaschnig

14 Autorinnen und Autoren beim traditionsreichen Literaturwettbewerb

Klagenfurt (epdÖ) – Der Bachmann-Preis 2017 geht an Ferdinand Schmalz. Der Grazer Dramatiker setzte sich in einer Stichwahl gegen John Wray durch, der den Deutschlandfunk-Preis gewann. Mit dem Kelag-Preis wurde Eckhart Nickel ausgezeichnet, den 3-sat-Preis erhielt Gianni Molinari, und das Publikum sprach sich für Karin Peschka aus.

14 Autorinnen und Autoren haben beim traditionsreichen Literaturwettbewerb vom 5. bis 9. Juli in Klagenfurt ihre Texte Jury und Publikum präsentiert. Schmalz gewann mit dem Text „mein lieblingstier heißt winter“. Es ist eine gänzlich unpersönliche säkulare Welt, die der Bachmann-Preisträger hier im dialogischen Selbstmordritual seiner Figur „Dr. Schauer“ absurd überspitzt. Religiöse Modelle der Hoffnung lösen sich bei Schmalz in steriler sozialer Einsamkeit gänzlich auf. Orte der Lebenserinnerungen nehmen den Platz der rituellen Begleitung im Sterben und Tod ein. Eine besondere Rolle kommt dabei der Natur, der Sonne zu, die gleichsam zum Träger transformierter Auferstehungshoffnung wird. Im Gespräch mit dem epd wies der Autor auf diese Grundintention seines Textes hin, der sich der Frage nach der Wertigkeit und dem Halt traditioneller wie neu sich bildender Rituale in einer Zeit postmoderner Brüchigkeit von Identität und Institution zu nähern sucht. Was trägt den Menschen im Leben und was trägt ihn „hinüber“, wenn soziale und religiöse Netze „reißen“?

Die Thematik moderner Biotechnologie in einem futuristischen Szenario bizarrer alternativer Lebensformen nahm der Schweizer Autor Eckhart Nickel in seinem Text „Hysteria“ in den kritischen wie ironischen Blick. In den Texten von Maxi Obexer (Italien) und Gianna Molinari (Schweiz) wurden Fragen europäischer wie persönlicher Identität und Moral angesichts von aktuellen Flüchtlingsbewegungen zum kritischen wie beklemmend realistischen Texttopos. Die Publikumspreisträgerin aus Österreich, Karin Peschka, öffnete im Text „Wiener Kindl“ ein Untergangsszenario, in dem ein junger Mensch im Verschwundensein menschlichen Lebens nach neuen Existenzbezügen sucht, diese wesentlich in der umgebenden Tierwelt findet und sich darin einzurichten sucht, um zu überleben.

Der Text „Madrigal“ von John Wray (USA/Österreich) verwebt kunstvoll viele Lebenswege und versteht die Frage nach dem Sinn wesentlich als tätigen Vollzug im „Trial und Error“. Beeindruckt zeigte sich das Publikum auch von Björn Treber, einem evangelischen Autor aus Spittal an der Drau in Kärnten. Er verwies im Gespräch mit dem epd auf die literarischen Inspirationen der Bibel, die ihn durchaus beeinflussen und die er etwa auch bei den Autoren William Faulkner oder Uwe Johnson gut erkennt.

ISSN 2222-2464