Evangelische wollen „Salz in der Suppe“ sein

v.li.: Superintendentin Müller, Synodenpräsident Krömer, Bischof Bünker, Landessuperintendent Hennefeld
v.li.: Superintendentin Müller, Synodenpräsident Krömer, Bischof Bünker, Landessuperintendent Hennefeld

Evangelische Kirchen nehmen gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahr – Pressekonferenz aus Anlass der Synodentagungen in Salzburg

Salzburg (epd Ö) – „Wir freuen uns, dass wir als Salz in der Suppe wahrgenommen werden, obwohl wir so wenige sind.“ So beschrieb die Salzburger Superintendentin Luise Müller die Situation ihrer Diözese Salzburg-Tirol bei einer Pressekonferenz am 6. November im Hotel Mercure am Kapuzinerberg in Salzburg. In dem Pressegespräch anlässlich der derzeit in Salzburg tagenden evangelischen Synoden bekräftigte die Superintendentin: „Es ist Zeit geworden, dass die Synoden endlich in Salzburg tagen.“ Müller wies darauf hin, dass ihre Diözese in extremer Diaspora liege und die einzige Diözese sei, die von einer Frau geleitet werde.

Als zentrales Projekt der Salzburger Evangelischen nannte die Superintendentin ein Bauprojekt der evangelischen Pfarrgemeinde Salzburg-Christuskirche, das eingeleitet worden sei, „um den Anforderungen eines modernen Gemeindelebens besser zu entsprechen“. Es sei zu hoffen, „dass es der Christuskirche mit ihrer Raumnot besser geht als es der Superintendentur gegangen ist“. Die Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol ist vor vier Jahren aus Gründen akuter Raumnot von Salzburg nach Innsbruck verlegt worden.

Dass die evangelischen Kirchen ihre Verantwortung in der Gesellschaft aktiv wahrnehmen, hob der lutherische Bischof Michael Bünker auf der Pressekonferenz hervor. So wiesen die Kirchen immer wieder darauf hin, dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die von der Finanzwelt vielfach schon für beendet gehalten werde, noch lange zu spüren sein werden. Bünker hob hervor: „Es handelt sich um eine tiefe Vertrauens- und Verantwortungskrise.“ Ihre Folgen, so der Bischof, dürften nicht auf jene Menschen abgeschoben werden, die in keiner Weise für die Krise verantwortlich seien. Bünker forderte wirksame Investitionen im Bereich des Sozialen, insbesondere der Bildung und der Ökologie, eine verlässliche Mindestsicherung, verpflichtende Sozialverträglichkeitsprüfungen bei Gesetzesentwürfen sowie wirksame und positive Maßnahmen zum Thema Integration und Zuwanderung.

Evangelische Kirchen sind Anwälte der Flüchtlinge und Migranten

Die evangelischen Kirchen verstehen sich als Anwälte der Flüchtlinge und Migranten. Das unterstrich auch der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld vor den Journalistinnen und Journalisten. Scharf kritisierte Hennefeld, dass Diakonie, Volkshilfe und Caritas die Möglichkeit der Rechtsberatung von Flüchtlingen vom Innenministerium genommen und einem Verein übergeben worden sei, der lediglich „Rückkehrberatung“ ohne objektive Aufklärung über Einspruchsmöglichkeiten betreibe. Der Landessuperintendent forderte auch eine gesetzliche Regelung der seelsorgerlichen Betreuung von Schubhäftlingen analog zur Regelung im Strafvollzug. „Die Bedingungen werden von Woche zu Woche schwieriger“, beklagte der Landessuperintendent.

Evangelische Werte verstärkt zur Sprache bringen

Im Blick auf den Studientag der Generalsynode zum Thema „Evangelisch evangelisieren“, der am Freitagnachmittag beginnt, verwies der Präsident der Synode A.B. und der Generalsynode Peter Krömer auf ein Positionspapier der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit dem Titel „Evangelisch evangelisieren – Perspektiven für Kirchen in Europa“. Krömer kündigte eine Resolution der Generalsynode an, die bei dem Studientag erarbeitet werden soll. Es gehe darum, dass Kirchen und Gemeinden „die evangelischen Werte in der Öffentlichkeit verstärkt zur Sprache bringen sollen“.

Wie Bischof Bünker ergänzte, verstehe sich die evangelische Kirche als „Kirche der Freiheit“. Darin bestehe das spezifisch evangelische Profil. „Vordergründiges Interesse“ bei „Evangelisch evangelisieren“ sei nicht in erster Linie Mitgliederwerbung, da der Mitgliederschwund in den evangelischen Kirchen „ganz undramatisch“ sei. Vielmehr sei eine Intensivierung des kirchlichen Lebens zu beobachten. In diesem Zusammenhang rief der Bischof die evangelischen Pfarrgemeinden dazu auf, sich noch stärker in einer „Solidargemeinschaft“ zu organisieren als ein „verlässliches Netz, bei dem man auch Hilfe bekommt“.

Fotos zur Synode (auch in Druckqualität) auf fotos.evang.at

ISSN 2222-2464