Evangelische Stimmen zum Ableben von Jörg Haider

Bischof Bünker: „Politiker mit Charisma, der große Begeisterung und heftige Kritik erfahren hat“ – Superintendent Sauer: Als Politiker ein „Mensch zum Anfassen“

Klagenfurt (epd Ö) – Tief betroffen vom Ableben Jörg Haiders zeigen sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der Kärntner Superintendent Manfred Sauer. Haider ist Samstagfrüh knapp vor 1.30 Uhr in Klagenfurt bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der Kärntner Landeshauptmann und BZÖ-Chef war allein mit seinem Dienstwagen unterwegs, als er in der Ortschaft Lambichl im Süden der Landeshauptstadt von der Straße abkam.

„Ich bin tief betroffen über den plötzlichen Unfalltod des amtierenden Landeshauptmanns von Kärnten“, erklärte Bischof Michael Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. „Mein erster Gedanke geht zu seiner Familie, seiner Frau, den beiden Töchtern und – vor allem heute an ihrem 90. Geburtstag – zu seiner Mutter. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft für die schwere Zeit des Schocks und der Trauer. Jörg Haider wissen wir geborgen in Gottes Hand, er möge in Frieden ruhen“, so der Bischof.

Jörg Haider war „ein Politiker mit großer Begabung und Charisma“, der in den letzten 20 Jahren Österreich entscheidend mitgeprägt habe. Neben großer Zustimmung und Begeisterung habe er auch Ablehnung und heftige Kritik hervorgerufen. Bünker: „Er stand als Person für diesen polarisierenden Stil in der Politik.“ Immer wieder habe es auch Einspruch von Seiten der Evangelischen Kirche gegen seine Politik, vor allem in Bezug auf die slowenische Minderheit in Kärnten und in der Ausländerfrage, gegeben, erinnert der Bischof. Bünker: „Dass der amtierende Landeshauptmann Kärntens so tragisch aus dem Leben gerissen wird, möge alle in der Politik des Landes dazu aufrufen, in besonnener Weise die politische Auseinandersetzung zu führen und stets das Gemeinsame über das Trennende zu stellen.“

„Der schreckliche tödliche Verkehrsunfall unseres Landeshauptmanns Jörg Haider hat mich persönlich tief und sehr schmerzlich getroffen“, sagte der Kärntner Superintendent Manfred Sauer in einer ersten Reaktion. „Es ist noch nicht wirklich vorstellbar, dass er auf diese tragische Weise mitten aus dem Leben gerissen wurde.“ Jörg Haider war ein „charismatischer Politiker mit Leib und Seele, der wie kein anderer das politische Geschehen der Zweiten Republik mitgeprägt und mitgestaltet hat. Durch die zahlreichen Begegnungen und Gespräche und durch gemeinsame Projekte ist zu ihm und seiner Frau Claudia eine freundschaftliche Verbundenheit gewachsen, für die ich sehr dankbar bin.“

Im persönlichen Umgang war Jörg Haider „ein äußerst zuvorkommender, herzlicher und einfühlsamer Mensch“, der immer wieder die Nähe und den Kontakt zu den Menschen gesucht habe, betont der Superintendent. Haider habe oft „sehr spontan und unbürokratisch geholfen“. Als Politiker sei Haider „nicht abgehoben, sondern ein Mensch zum Anfassen“ gewesen. Sauer: „Noch am Tag vor dem Unfall haben wir gemeinsam den 10. Oktober gefeiert. Sein Tod bedeutet einen enormen Verlust für unser Land. Meine aufrichtige Anteilnahme, mein tiefes Beileid und Mitgefühl gelten seiner Frau Claudia, seinen Kindern und seiner Mutter. Ich bitte Gott um seinen Trost und Beistand in dieser schweren Zeit des Abschieds und der Trauer, besonders für seine Familie, aber auch für uns Land.“

ISSN 2222-2464