Evangelische Kirchen in Europa gegen Sterbehilfe

Die Broschüre "A time to live and a time to die" sieht sich als Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid.
Die Broschüre "A time to live and a time to die" sieht sich als Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid.

„Gemeinschaft Evangelischer Kirchen“ (GEKE) veröffentlicht Dokument – Sterbehilfe theologisch nicht zu rechtfertigen

Wien (epd Ö) – Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat am Montag in Wien eine Orientierungshilfe zu Fragen am Lebensende veröffentlicht. Die Kirchen wenden sich gegen eine theologisch-ethische Rechtfertigung von Sterbehilfe und Beihilfe zur Selbsttötung. Zugleich wird betont, dass die Kirchen den Wandel der gesellschaftlichen Haltung gegenüber bestimmten Formen der Sterbehilfe und der Suizidhilfe wahrnehmen. Generalsekretär der GEKE ist der österreichische lutherische Bischof Michael Bünker. Das Büro der GEKE befindet sich in Wien.

Die Broschüre „A time to live and a time to die“ sieht sich als Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid. Das Leben als Geschenk des Schöpfers muss verteidigt werden, heißt es darin. Jedem, der eine schwere Leidenszeit durchgeht, müsse beigestanden werden. Es sei nicht statthaft, moralische Entscheide zu treffen, die den christlichen Glauben untergraben. Dieser verpflichte dazu, alles zu unternehmen, um Leiden zu lindern und jenen beizustehen, die in ihrem letzten Lebensabschnitt mit Leid und Verzweiflung kämpfen.

Ärzte und Pflegepersonal werden aufgerufen, ihre Anstrengungen in der Palliativpflege zu verstärken. Familienangehörigen und Freunden wird nahe gelegt, sich Zeit für die Begleitung der Betroffenen zu nehmen. Seelsorger müssten die Begleitung Sterbender als „zentralen Teil ihres Auftrags“ sehen.

Kirchen müssen ihre Stimme erheben

Die Pflege von Menschen und deren geistliche Begleitung sind ein bedeutender Teil von „Kirche sein“, heißt es im Dokument weiter. Die Kirchen hätten die Verantwortung, in der zivilen Gesellschaft ihre Aufgaben wahrzunehmen und ihre Stimme zu erheben, wenn „legale Barrieren, die das Leben schützen, niedergerissen werden“.

Die Kirchen müssten sich anwaltschaftlich dafür einsetzen, dass in Spitälern und Hospizen die beste wirtschaftliche Basis für die Pflege jener, die mit dem Tod kämpfen, gegeben ist. Sie müssten für eine Gesellschaft einstehen, die ein erfülltes Leben für alle ermöglicht, einschließlich jener, die vor dem Tod stehen.

Die Broschüre ist das Ergebnis eines Konsultationsprozesses der 105 Mitgliedskirchen in 30 Ländern auf der Grundlage eines Textes des Fachkreises Ethik der GEKE. Mit dem nun vorgelegten Dokument bringen die evangelischen Kirchen in Europa ihre Position in die Diskussionen um einen würdigen Umgang mit dem Lebensende ein, heißt es in der Aussendung.

„Grundlegende Fragen des Sterbens“

„Es ist eine Stärke des Protestantismus in Europa, Differenzen ernst zu nehmen und zu Wort kommen zu lassen“, sagte GEKE-Präsident Thomas Wipf zu dem Dokument. Die 104-seitige Broschüre erörtere „grundlegende Fragen des Sterbens im gesellschaftlichen, klinischen und juristischen Kontext“. Die GEKE-Kirchen setzen sich für den Schutz der Menschenrechte von Sterbenden und Sterbenskranken ein, so die Aussendung. Dies schließe das Recht auf ein Leben bis zum Ende und das Recht auf einen Behandlungsverzicht ein.

Gleichzeitig wenden sich die Kirchen dagegen, das Prinzip der Autonomie gegen die Solidarität, Empathie und Sorge für die Kranken und Sterbenden auszuspielen.

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) haben sich 105 protestantische Kirchen in Europa und in Südamerika zusammen geschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

ISSN 2222-2464