„Die Dinge haben sich bei uns entwickelt wie ein Wunder“

Altbischof Christoph Klein
Altbischof Christoph Klein

Christoph Klein, Altbischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, zu Besuch in Wien

Wien (epd Ö) – 20 Jahre lang war er Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, im Oktober 2010 ist er aus Altersgründen aus seinem Amt ausgeschieden. Christoph Klein hat die lutherische Kirche in den Zeiten der Wende mit seinen MitarbeiterInnen geführt, und das „war keine leichte Zeit“, wie er im Gespräch mit der evangelischen Kirchenzeitung SAAT am Sonntag, 31. Oktober, gesagt hat. Der Altbischof war anlässlich einer Sitzung der Stiftung „Reconciliation in South-East Europe“ in Wien und hat im Gottesdienst zum Reformationstag in der Lutherkirche in Wien-Währing die Predigt gehalten. In der Zeit nach der Wende in den 1990er Jahren ist die Lutherische Kirche in Rumänien von rund 100.000 Mitgliedern auf derzeit rund 13.000 Mitglieder geschrumpft, „jetzt haben wir aber eine gewisse Stabilität erreicht, indem wir auch neue Strukturen in unserer Kirche geschaffen haben, die der Diasporasituation angemessen sind“. Die Kirche könne weiterhin ihre Aufgaben wahrnehmen wie etwa den „geistlichen Dienst“ zu leisten, evangelischen Religionsunterricht zu erteilen – „90 Prozent der SchülerInnen im Unterricht sind nicht evangelisch, sondern orthodox oder gehören keiner Konfession an“ – oder das Kulturgut zu erhalten, also etwa die Kirchenburgen. „Auch unsere Kinder- und Jugendarbeit ist ökumenisch offen und wird stark von anderen Ethnien und Kulturen besucht.“ Das zeige sich nicht zuletzt bei Jugend- und Kirchentagen, zu denen die evangelische Kirche regelmäßig einlade.
Kirche spielt weiterhin eine bedeutende Rolle
Angesprochen auf seine persönliche Bilanz als Bischof vergleicht Klein, der einen Ehrendoktortitel der Wiener Evangelisch-Theologischen Fakultät trägt, diese Zeit mit nichts Geringerem als einem Wunder: „Die Dinge haben sich bei uns entwickelt wie ein Wunder, das man nicht versteht.“ Dass die lutherische Kirche weiterhin diese „bedeutende Rolle“ in Rumänien würde spielen können, habe „niemand zu hoffen gewagt“. Er selbst habe damals das Land nicht, wie so viele seiner Landsleute, verlassen, weil „ich als Pfarrer eine Aufgabe hatte in Rumänien und in Siebenbürgen, und wir haben viel erreicht“. Er habe den Eindruck, „dass wir es mit einem Gott der Überraschungen zu tun hatten und weiterhin haben, denn die Hochrechnungen haben ergeben, dass wir um das Jahr 2007 keine Mitglieder mehr haben sollten, und jetzt wächst die Kirche wieder“. Die Evangelische Kirche in Rumänien habe ein Gewicht, das sie sich nicht selber beimesse, „sondern das uns beigemessen wird. Und hier gilt einmal mehr, dass Christen nicht gezählt, sondern gewogen werden.“
Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ist die Kirche der lutherischen deutschen Minderheit des Landes, vornehmlich in Siebenbürgen. Ihre Vorgeschichte geht auf das 12. Jahrhundert zurück, als sich deutschsprachige Siedler im Land (damals Ungarn) niederließen. Diese hatten schon vor der Reformation hier eine gemeinschaftsgeprägte politische und kirchliche Sonderstellung. Im selbständigen Fürstentum Siebenbürgen, das bis 1687 unter türkischer Oberherrschaft stand und danach bis 1918 Teil des Habsburgerreiches war, gab es seit 1568 Religionsfreiheit für die fünf Konfessionen des Landes (römisch-katholisch, orthodox, lutherisch, calvinistisch-reformiert, unitarisch). Hermannstadt wurde früher auch „Alt Wien“ genannt, war hier doch unter anderem im 19. Jahrhundert die zweitgrößte Garnison der österreichisch-ungarischen Monarchie, die „90er Garnison“, stationiert.

ISSN 2222-2464